Hartlauer meets Humboldt

Shakehands: Hartlauer jr. und Karl MoikMan staunt nicht schlecht, wenn man jenen Mann, der bis vor ein paar Jahren mit besonderer Begeisterung die etwa sechsmal jährlich stattfindende Gehörgangsvergewaltigung mit deutscher volkstümlicher Musik namens Musikantenstadl moderiert hat, plötzlich als Werbefigur wiederfindet. Ich für meinen Teil war sogar so verwundert, dass ich mich umgehend zu einer Eilmeldung über unseren neuen Twitter-Account habe hinreißen lassen.

Worum geht es also? Hartlauer, die österreichische Foto-, Elektro-, Handy- und Optikhändlerkette, hat sich den (mittlerweile abgelösten) Gott der volkstümlichen Musik, Karl Moik, als Testimonial geholt – und zwar ausgerechnet für die Hörgeräte-Sparte. Hierfür gebührt Herrn Hartlauer, wir kennen ihn ja alle mit Vornamen, zuerst Lob: Eine prestigeträchtigere Figur, mit der sich die Hauptzielgruppe assoziiert, hätte wohl kaum gefunden werden können. Respekt!

Weniger Respekt habe ich aber für die Umsetzung (unter anderem) in Form eines Werbespots. Da spielen Musikanten aus einschlägiger Musikrichtung auf und nach der (glücklicherweise kurzen) Schrecksekunde erklärt uns Herr Moik sinngemäß, wie schön das doch wäre, dass er diese Musik jetzt wieder gut hören könne und auch Herr Hartlauer stößt hinzu, um noch einmal zu betonen, welch tolle Hörgerätangebote nun bei seiner Kette verfügbar wären.

Es geht mir eigentlich weniger um den Inhalt, als um die Machart des besagten Werbespots. Da scheint man sich nämlich derselben Kamera und Macher bedient zu haben, wie einst Humboldt, dem wir schon zahlreiche Beiträge hier gewidmet haben. Zumindest mich und die Dame an meiner Seite beschlich bei der Sichtung spontan das Gefühl, dass daran Anleihen genommen wurden: technisch gruslig, die Figuren irgendwie deplatziert. Vielleicht wäre es ratsam gewesen, bei der Absegnung des Endprodukts doch einmal auf das hauseigene Brillensortiment zurückzugreifen.

Nur Herrn Moik kann man hier wirklich keinen Vorwurf machen. Dass 25 Jahre Musikantenstadl am Gehör ihre Spuren hinterlassen, leuchtet zumindest mir, der schon 30 Sekunden nur unter Schmerzen aushält, ein, insofern bekommt auch die Wahl der Figur eine sehr wahrscheinlich nicht gewollte, aber durchaus treffende Bedeutung.

Eine Reaktion zu “Hartlauer meets Humboldt”

  1. Michael

    jetzt wissen wir also, warum Karl Moik so lange durchgehalten hat… Er hat ohne Hörgerät immer geglaubt, er moderiert eine Sendung zum Thema Heavy Metal… :)

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