I will mohr!
Eskimo, die österreichische Version von Lagnese, bringt jeden Sommer ein regional ansprechendes Speiseeis hervor. Letzten Sommer durften sich die Österreicher über “Apfelstrudel” freuen, diesen Sommer wollte man das allseits beliebte Schokotörtchen mit ebenso kakaohaltigem Überzug namens “Mohr im Hemd” in eine kühle Sommererfrischung verpacken. Und weil sich ein solches Produkt mit Werbung noch besser verkauft als ohne, hat man Österreich auch gleich mit ein paar Plakaten beglückt.

Sicher, der Werbespruch “I will mohr!”, eine Mischung aus zwei bis drei Sprachen, ist nicht eben glücklich gewählt. Und was das nun genau heißen soll, das wird uns wohl noch länger Rätsel aufgeben.
Vor einem ganz anderen Rätsel scheinen die Macher der Kampagne zu stehen, denn zahlreiche Beschwerden beim Werberat und erhebliches Medienecho attestieren dem Plakat vor allem eines: Rassismus in höchster Form. Der Begriff “Mohr” stamme aus der Kolonialzeit, “im Hemd” deswegen, weil die damaligen Schwarzen wohl eher nackt anzutreffen waren.
Ein bisschen schmunzeln muss ich angesichts der Anlassaufregung hier schon. Seit über einem Jahrhundert konsumieren wir Österreicher “Mohren im Hemd”, noch nie kam jemand auf die Idee, das Törtchen umzubenennen, weil es rassistisch sein könnte. Der Mohr im Logo von Meinl darf ebenso bleiben, wie sich ein Bier immer noch Mohrenbräu nennen darf. Warum ist das so? Weil es sich hier eben um Begriffe handelt, die sich über Jahrzehnte etabliert haben, sie sind zu Eigennamen und -marken geworden, die nicht mehr als wertend oder rassistisch wahr genommen werden. Mohr ist ein veraltetes, nicht mehr gebräuchliches Wort, das ich in abwertendem, rassistischem Zusammenhang wirklich noch nie gehört habe (“Du Mohr, du!”). Wer einen Mohren im Hemd verzehrt, der ist deswegen noch lange kein Rassist. Und wer daraus ein Speiseeis macht auch nicht.
Übrigens: sollten die Werbemacher von Eskimo hier tatsächlich einen Rückzieher machen, dann empfehle ich auch gleich die Umbenennung der Marke. Die Bewohner Grönlands bevorzugen nämlich auch die Bezeichnung Inuit. Korrekt wäre also “Dunkler pigmentierter Nichteuropäer in Oberbekleidung” der Marke Inuit. Das Eis selbst sei (ungeachtet des Namens) übrigens lecker.

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Am 27. Juli 2009 um 09:17 Uhr
Ich finde die Kritik berechtigt. Ich kenne die Süßigkeiten aus meiner Kindheit auch als “Negerkuss” oder “Mohrenkopf”, aber in deutschen Supermärkten sehe ich sie heute nur als “Schokokuss”, “Schaumkuss” o.Ä., und das ist auch gut so…
Auch bei etablierten Marken und Begriffen lohnt es sich, rassistische, sexistische etc. Klischees abzubauen. Nur weil etwas etabliert ist, muss man es nicht aufrecht erhalten. Da wiegen moderne Wertvorstellungen hoffentlich schwerer.
Am 28. Juli 2009 um 09:46 Uhr
Das Problem moderner Wertvorstellungen ist, dass auch sie veralten. Vor Jahren war es noch okay, Eskimo zu sagen, heute nur noch Inuit. Vor Jahren war es okay, Negerküsse zu essen, heute werden sie, der politischen Korrektheit wegen, umbenannt. Und in ein paar Jahren sind wahrscheinlich Wörter wie Migrant, Asylwerber (in Österreich schon sehr problematisch) oder vielleicht auch Schwarzer auf der Liste jener Wörter gelandet, die man nicht mehr ohne schlechtes Gewissen in den Mund nehmen darf.
Dabei wird übersehen, dass das Problem an sich, nämlich Rassismus und Diskriminierung, keinesfalls dadurch besser wird, dass man manche Begriffe plötzlich nicht mehr verwenden darf, dadurch wird man das Befremden nur noch vergrößern. Will man etwas verändern, dann sollte man die Ursache bekämpfen, nicht deren Auswirkungen. Denn wenn es so weiter geht, dann nützen sich die gängigen Begriffe immer mehr ab und wir müssen auf Ausdrücke wie “dunkler pigmentierter Nicht-Europäer” oder “Bewerber für humanitäres Bleiberecht” zurückgreifen.
Weil ich noch nicht ausdrücklich geschrieben habe: ich distanziere mich von jeglicher Form von Diskriminierung und empfinde Zuwanderung sogar als Bereicherung. Die Probleme, die dadurch aufkommen, werden aber durch Verbiegen der Sprache nur verschlimmert (Unverständnis). Und ein Verein, der sich auf solche Kleinigkeiten einschießt, obwohl andernorts viel eher etwas bewegt werden könnte, der macht sich eher lächerlich oder zieht sogar die Wut einiger auf sich.
Am 28. Juli 2009 um 10:05 Uhr
> Das Problem moderner Wertvorstellungen ist, dass auch sie veralten.
Wieso ist das ein Problem? Weiterentwicklung ist was Gutes…
> Will man etwas verändern, dann sollte man die Ursache bekämpfen, nicht deren Auswirkungen.
Man sollte sowohl die Ursachen als auch deren negative Auswirkungen bekämpfen.
> und wir müssen auf Ausdrücke wie “dunkler pigmentierter Nicht-Europäer” oder “Bewerber für humanitäres Bleiberecht” zurückgreifen.
Das kommt dir jetzt vielleicht albern vor, aber in der Vergangenheit kam den Menschen auch so einiges albern vor, das heute normal ist: Frauen in Hosen, zum Beispiel
Ich sag’s nochmal: Weiterentwicklung, die sich an Werten wie Verständnis und Gleichheit orientiert, ist das Gutes. Da kann man ruhig mal großzügig sein, auch wenn man etwas albern findet.
Am 3. August 2009 um 11:34 Uhr
Gut, wenn der veraltete Begriff “Mohr” verschwindet, dann soll es das Wort “schwul aber bitte auch!
Das ist nämlich nicht weniger diskriminierend … (siehe unten).
Aber schön zu sehen, dass es Leute in Österreich gibt, die sonst keine Probleme haben …
Herkunft
Häufig wird es auf das niederdeutsche schwul für „drückend heiß“ zurückgeführt. Im 17. Jahrhundert wurde dies ins hochdeutsche übernommen und im 18. Jahrhundert, wahrscheinlich durch Beeinflussung des Antonyms kühl[10], in schwül umgewandelt. Die alte Form wurde im 19. Jahrhundert in der Berliner Mundart und im Rotwelschen in Anlehnung an warm auf homosexuell übertragen.[9] Schwuler ist auch im Rotwelsch belegt.[11]
Auch Storfer geht 1937 davon aus, dass es zuerst in Berlin aufgetreten sein dürfte. Als Erklärungsmöglichkeiten weist er auf „warme Brüder“ hin. Jene Bedeutung hat sich möglicherweise daraus entwickelt, dass die „Warmen“ ihren Geschlechtsgenossen gegenüber in erotischer Hinsicht nicht gleichgültig („kühl“), sondern warm empfinden.[12]
Heinz Küpper verbindet schwul mit „beklemmend heiß“ und erklärt die einschlägige Bedeutung wohl als eine „Anspielung auf die Atmosphäre in einschlägigen Lokalen.“[13]
Die Wiener Gauner- und Prostituiertensprache gibt mit gschwulsddich sei („geschwulstig sein“) zu schwul in der Bedeutung „geschwollen“ Hinweise auf eine mögliche andere Etymologie, vor allem in Bezug auf die Redeweise.[14]