Nachrichten als Werbung?

Ein fragwürdiges, wenn auch durchaus wirksames, Gustostückerl hat sich ProSieben neulich geleistet, als in Form einer Ausgabe von Newstime, dem sendereigenen Nachrichtenmagazin, Werbung für die neu anlaufende Serie „Fringe“ gemacht wurde. Zum besseren Verständnis vielleicht vorab das besagte Stückchen Film.

YouTube Preview Image

Kurz erklärt: Der ProSieben-Nachrichtensprecher erzählt dem Zuschauer in Form einer Eilmeldung von einem Kind, das nach der Geburt angeblich so schnell wuchs, dass es eigentlich sofort die Größe eines Erwachsenen hatte. Die medizinische Sensation scheine perfekt und eine Spezialeinheit würde dieses Phänomen nun bearbeiten.

Nun muss man ProSieben eines lassen: wirksam war die Werbung, denn kaum eine andere Einschaltung der letzten Zeit stieß so massiv auf Kritik wie die vorliegende und Kritik fördert, je massiver sie ausfällt, sicher die Bekanntheit. Man denke beispielsweise an Bücher oder Filme, die auf so vehementen Widerstand stoßen. Allerdings ist der Preis, den ProSieben dafür zahlt, hoch.

Zum einen nagt die Verwendung eines Nachrichtenformats als Werbung sicher an der Glaubwürdigkeit.  ProSieben gab weder einen konkreten Hinweis in Form einer Texteinblendung, noch bediente man sich einer fiktiven Sendung – im Gegenteil: mit dem echten Sprecher (übrigens einem hauptberuflichen Journalisten!) und der üblichen Anfangsanimation erweckte man ganz bewusst den Eindruck der Echtheit. Woher weiß denn der Zuschauer künftig, ob wieder Werbung oder vielleicht doch richtige Nachrichten am Bildschirm erscheinen? Ob der Einmarsch irgendwelcher Truppen in einem anderen Land Wirklichkeit oder doch ein Werbegag ist? Die Grenzziehung ist relativ einfach: man verwendet keine News-Sendung als Werbeeinschaltung – und das aus gutem Grund.

newstime fringe

Auch die Wahl des Bildes im Hintergrund sicher nicht unbedingt glücklich gewählt, auf den ersten Blick könnte der abgebildete Körper dort nämlich genauso gut eine blutüberströmte Leiche sein. Wer nicht völlig abgestumpft war, bei dem kam angesichts der unerwarteten „Breaking News“ sicher Nervosität auf, zumal man das Programm ja auch nicht wegen irgendwelchen Lappalien zugunsten von Nachrichten unterbricht.

Bei ProSieben hat man für die Kritik eher wenig Verständnis, man habe den Trailer ja ohnehin mit einem entsprechenden Hinweis beendet. Stimmt auch, allerdings fragt sich, wie viele Zuseher den Hinweis in richtigen Zusammenhang mit der zuvor gesehenen News-Sendung bringen konnten. Eingefleischte Serienjunkies mögen mit solchen Hinweisen keine Probleme haben, wer aber keine Ahnung hat, was „Fringe“ ist, wird sich damit eher schwer getan haben.

Alles in allem eine äußerst fragwürdige Art der Promotion die, glaubt man den Schlagzeilen und Diskussionen zum Thema, noch ein Nachspiel haben könnte. Angesichts der Top-Quoten, die ProSieben damit einfuhr, dürfte das die Verantwortlichen aber eher nicht tangieren. Leider.

Vielen Dank an AgentSmith für den Hinweis!

5 Reaktionen zu “Nachrichten als Werbung?”

  1. Sebastian

    Ich habe damals die Werbung wärend der Simpsons gesehen und zuerst dachte ich das es echte Nachricbhten wären, auch wenn sie so irrsinnig sind.

    Es passte einfach und Breaking News kommen nur wenn wirklich was passiert ist, wie der Amoklauf letztens.

    Naja, ich fand es unpassend Werbung als Nachrichten zu tarnen.

  2. Phillip

    Ich muss da an einen Satz aus dem Bereich Marketing/PR denken:

    „Jede PR ist gute PR!“

    Das zeugt zum einen von der Skrupellosigkeit mancher Werber und zum anderen spricht es Bände über Publikum und Kunden.

    Und nein ich glaube nicht, dass Pro 7 wegen eines solchen Ereignisses das akutelle Programm unterbrechen würde. So etwas würde wohl zu den normalen Zeiten in die Nachrichten gebracht werden. Für eine Unterbrechung gibt es in meinen Augen keinen Anlass wie z.B. unmittelbare Bedrohung der Bevölkerung oder ähnliches. Außerdem hatte das sogenannte „Amateurvideo“ eine viel zu gute Qualität, um wirklich unter solchen Umständen entstanden zu sein. Zumindest ist mir das sofort aufgefallen.

    Obwohl wahrscheinlich fast alle Leute (mich wohl eingeschlossen) diese Werbung binnen weniger Tage vergessen, hat die Glaubwürdigkeit der Pro 7 News wohl bei einem Teil der Zuschauer einen Dämpfer bekommen.

  3. AgentSmith

    Besonders „amüsant“ (Pontifex-Fans mögen mir es nachsehen, das hat in dem Fall gar nichts mit seiner Person oder dem Amt zu tun) fand ich ja folgende Anekdote aus dem DWDL-Artikel:

    Als Papst Johannes Paul II. am 2. April 2005 nach langer schwerer Krankheit verstarb, war dies ProSieben zunächst weder Programmunterbrechung noch eine Texteinblendung wert. Die Unterföhringer zeigten stattdessen: „Stirb langsam 2“.

  4. greatmum

    Ehrlich gesagt, war ich sehr verunsichert, als ich diese abstruse Werbung sah. So etwas sollte man wirklich nicht als Nachricht tarnen

  5. Duckhome

    Und die Welt ist doch eine Scheibe!!…..

    .. und Sie sollten besser aufpassen, dass Sie nicht an ihrer Kante in den Abgrund stürtzen!

    Wie nah wir bereits alle an diesem Abgrund stehen zeigt unter anderem die perfide und überaus geschmacklose Werbung von Pro7 für ihre Serie “Fringe”, …

Einen Kommentar schreiben

du mußt angemeldet sein, um kommentieren zu können.