Die Billa EatCard

Die österreichische Lebensmittelhandelskette Billa setzt neuerdings auf ein System namens EatCard. Ob das jetzt IssKarte, EssKarte, EssensKarte oder vielleicht auch EssenKarte heißen soll, ist mir schleierhaft. Aber weil Produkte mit komischem Namen meistens irgendwo genauer beschrieben werden, klicken wir einfach hier.

Während man unseren Hausverstand immer noch anspricht – oder besser: während uns unser Hausverstand immer noch aus dem Fernseher anspricht (wenn das nicht symbolträchtig ist…), bemüht sich Billa auch um Leute, an denen die Hausverstandsache (mangels Hausverstandes?) vorbeigeht.

Billa hat sich die EatCard einfallen lassen. Wer bereits auf den obigen Link geklickt hat, dem ist vielleicht aufgefallen, worauf ich hinaus will. Herr oder Frau Konsument gehen also nichts ahnend durch den Laden und sehen wie auch ich vor einigen Wochen diese dezent gefärbten aber gut sichtbaren Nährwertangaben an den Regalen kleben. Es soll wohl eine Art Ampel imitiert werden. Das Komische ist nur: alle drei verwendeten Farben sind Grüntöne. So signalisiert ein sehr schwach grünes Feld wenig eines bestimmten Inhaltsstoffes wie z.B. Fett oder Zucker, ein etwas satteres Grün bereits mehr und ein dunkelgrünes Feld sehr viel.

Jetzt frage ich mich: Warum Grün? Was verbindet jeder Mensch mit Grün? Natürlich, dass alles in bester Ordnung ist. Ein Produkt mit vier grünen Feldern – super da tu ich mir was Gutes! Die Initiative ist zu begrüßen, aber wenn man die Menschen warnen will, dann doch bitte mit Farben, die ein Mensch auch mit Warnungen assoziiert, wie zum Beispiel Gelb oder besser noch Rot.

Natürlich – wer liest, weiß auch so Bescheid. Aber ich glaube das Gefühl, wenn man eine Wurst oder eine Packung Kekse vorbei an leuchtend roten Warnsignalen in den Einkaufswagen legt, ist nicht vergleichbar mit dem, wenn diese Warnfelder in angenehmes Grün getaucht sind.

Warum verwendet Billa dann diese Farben? Eine einfache Erklärung wäre, dass Billa seine Kunden in diesem Zusammenhang grob in zwei Gruppen sieht. Jene, die Kennzeichnung wollen, und solche, denen es egal ist. Was wir hier sehen, stellt einen optimalen Kompromiss dar. Erstere werden zufriedengestellt, ohne Letztere zu unsanft daran zu erinnern, dass sie sich ungesund ernähren. Der Einkauf würde sich sicher nicht so gut anfühlen, wenn fast jeder Griff nach einem Produkt an roten Warnsignalen vorbeiführte. Und der Anteil derer, welche zwecks eines unbesorgteren Einkaufserlebnisses statt ihrer Ernährungsgewohnheiten einfach den Laden wechseln würden, stellt verlorene Kunden dar. Solange ungesunde Lebensmittel nicht überall einheitlich gekennzeichnet werden, wird wohl kein Händler freiwillig Ungesundes auffällig markieren.

Eine einheitliche gesetzliche Regelung wäre die einzige Lösung. Ich persönlich lasse mir zwar nicht gerne das Denken abnehmen, aber in Anbetracht der wiederholten Versuche der Nahrungsmittelhersteller, dem Kunden Ungesundes als gesund anzudrehen (hier ein Beispiel), wäre so eine Regelung sinnvoll.

Ich finde solche Vorstöße lobenswert, aber Grün, Grün und Grün sind einfach nicht die richtigen Farben für gut, mittel und schlecht.

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