Das Internet und seine Hypes

Dass im Internet Hypes entstehen ist schon lange keine neue Sache mehr. Man erinnere sich mit Ohrenschmerzen an Schnappi das kleine Krokodil! Während jedoch die meisten Internethypes mehr oder weniger unerwartet und vor allem unbeabsichtigt entstehen und der Eigendynamik von Foren, Blogs, Myspace, Facebook und ihren Klonen und Social Bookmarking Seiten entspringen, so gibt es immer wieder Unternehmen, die gerade diese Eigendynamik für sich entdecken und mit verhältnismäßig geringen Mitteln geradezu über Nacht zu einer unglaublichen Bekanntheit ihrer Produkte gelangen.

Das ist selbstverständlich alles andere als einfach. Wenn man schon nicht voraussehen kann, was einen solchen Hype verursacht und was im Datenbrei des Internets untergeht, wie sollte man dann bewusst einen solchen auslösen? Natürlich hilft es, wenn man weiß, wo man den Marketinghebel ansetzen muss. Bekannte Portale für die Interessensgruppen sind ein großer Bonus. Genau diesem Umstand und einer gelungenen Präsentation hat die Firma Blizzard Entertainment den Hype um ihr neuestes Spiel zu verdanken: Diablo 3.

Ich habe beschlossen, das hier zu erwähnen, obwohl ich Angst vor unserem Admin habe, der Diablo nämlich überhaupt nicht mag.

Um kurz auszuholen, Diablo 3 ist die Fortsetzung einer Spieleserie, die sich weltweit bereits weit über 10 Millionen mal verkauft hat. Das Interessante dabei ist, dass der Vorgänger Daiblo 2 bereits im Jahre 1998 erschienen ist und somit volle zehn Jahre auf dem Buckel hat. Dennoch gibt es eine riesige Gruppe von Spielern und zahlreiche Onlineportale mit großen Foren. Die bekannteste deutsche Seite ist www.indiablo.de.

Diskussionen über Diablo 3 fanden schon wenige Jahre nach der Veröffentlichung von Diablo 2 und seinem Expansion Pack in vielen Foren statt. Immer wenn Blizzard ein neues Spiel ankündigte, liefen die Fans in den Foren heiß und ersehnten sich eine Fortsetzung zu Diablo 2. Doch immer wieder wurden sie enttäuscht.

Am 29. Juni schließlich wurde ihr flehen erhört und auf der World Wide Invitational 2008 wurde unter gewaltigem Medienrummel Diablo 3 enthüllt. Die Präsentation stellt sogar die Ankündigung von so manchem Hollywood Blockbuster in den Schatten.

Genau diese Präsentation wurde live per Stream an diverse Seiten übertragen und eben dieser Stream war selbstverständlich heillos überlastet. Auf Foren fanden sich Themen, in denen die wenigen glücklichen, bei denen der Stream funktionierte, im Minutentakt Updates posteten. Selbiges geschah auf Newsseiten, deren Poster zum Teil sogar persönlich anwesend waren bei der Präsentation. Ein kleiner Eindruck kann auf Youtube gewonnen werden.

Innerhalb von wenigen Tagen kletterte der zehn Jahre alte Titel Diablo 2 wieder hoch auf die Leitern der Verkaufscharts und schaffte es, sich mehrere Wochen in den Top 10 zu halten. Natürlich ist das auf die Vorfreude der Spieler zurückzuführen. Sie sehen, dass Diablo 3 noch lange nicht kommt, wollen spielen, und greifen eben auf Diablo 2 zurück. Einige finden die CDs nicht mehr und kaufen es sich kurzerhand erneut.

Und wieder zeigt sich, wie meisterhaft manche Konzerne mit den Emotionen ihrer Kunden umzugehen verstehen, um das größtmögliche Kapital daraus zu schlagen. Jetzt bleibt nur noch zu hoffen, dass das kommende Spiel hält, was es verspricht. Es wäre nicht das erste, das Opfer seiner eigenen Ankündigung wird, weil es den erzeugten Erwartungen einfach nicht gerecht werden kann.

Eine Reaktion zu “Das Internet und seine Hypes”

  1. sifu

    Es ist schon krass zu sehen, wie stark das Internet uns und unser alltägliches Tun verändert hat. Wer hätte das vor ca. 10 Jahren gedacht.

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