Turbokredit

Dass es um die ehemalige österreichische Gewerkschaftsbank BAWAG nicht gerade gut steht, haben wir in den vergangenen Monaten zur Genüge gehört. Der Strafprozess gegen ehemalige Chefs läuft noch, die Bank selbst wurde mittlerweile verkauft, durch Einspringen des Staats als Haftender wurde das Schlimmste abgewendet.

Mit dem Verkauf kam ein neues Image, man versucht sich eben neu zu präsentieren und die ehemals weggelaufenen Kunden, die angesichts verwundernder Schlagzeilen davongelaufen sind, wieder zurückzugewinnen. Dafür werden in der Werbung, wie hier schon einmal angesprochen die Ärmel hochgekrempelt und großartige Flexibilität demonstriert.

Neu als Werbegag: die BAWAG (in Form der PSK) vergibt jetzt auch den schnellsten Kredit Österreichs. In nur zehn Minuten könne man so zu Geld kommen. Ich bin mir nicht sicher, ob man die schnelle Vergabe von Krediten unbedingt als Werbeslogan nutzen sollte, zumal man in der Vergangenheit mit Kredit- und Spekulationsgeschäften ja schon die ganze Bank beinahe zum Fall gebracht hat. Gut, Verbraucherkredite kommen eher selten in derartigen Höhen vor, aber auch sonst sind doch für Blitzkredite eher dubiose Geschäftsleute als richtige Banken bekannt und auch sonst stellt dich die Frage, ob die umfassenden gesetzlichen Aufklärungs- und Informationspflichten bei Kreditvergaben innerhalb von nur zehn Minuten eingehalten werden können, zumal man ja sehr wahrscheinlich auch gewisse Formulare, etc. ausfüllen sollte.

Bin ich der Einzige, bei dem sich bei schnellen Krediten durch einigermaßen geschädigte Banken die Stirn in Falten legt? Freunde, die Banken ja neuerdings gerne sein möchten, wird man sich durch solcherart dubiose Angebote wohl eher keine machen.

2 Reaktionen zu “Turbokredit”

  1. Roland Judas

    Hi,

    das sehe ich aber ganz genauso. Mir fallen dazu nur bösartige Dinge ein wie „Mit Vollgas in die Schuldenfalle“ oder „Von null auf nichts in 10 Minuten“. Sowas gerade in so unsicheren Zeiten, mit steigenden Rohstoffpreisen, Rezessionsängsten etc. ist schon sehr mutig. Abgesehen davon wäre das in Deutschland unmöglich zu schaffen mit all den Formularen, Beratungen, Protokollen und Bonitätsabfragen. Aber wer weiß, vielleicht wird das gerade vor der EM zum Renner, falls man sich in der Halbzeitpause doch noch mal geschwind den neuen 42″ Full-HD-LCD-Fernseher zulegen „muß“.

    Gruß
    Roland

  2. Martin

    Ich muss mich selbst korrigieren. Bei besagter Werbung handelt es sich nicht direkt um eine der BAWAG, sondern eine der PSK, welche wiederum zur BAWAG gehört. So ganz daneben war’s also nicht. Ob man sich durch ein Ausweichen auf PSK den obigen Fragen zur BAWAG entziehen möchte, steht in den Sternen.

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