Die Zucker-Lüge – damit füttern wir unsere Kinder!
Es ist schon seit Jahren gang und gäbe in der Werbung, gute Seiten zu unterstreichen und schlechte mal eben unter den Tisch zu kehren. Das ist uns Konsumenten zum Teil auch bewusst und wir leben damit trotzdem ganz gut. Doch wie bei allen fragwürdigen Praktiken wird auch hier die Grenze immer wieder überschritten. Die Rede ist hier von Kindernahrung. Die Liste an Beispielen ist nahezu endlos, aber eines möchte ich ganz besonders unter die Lupe nehmen: FruchtZwerge.
Wie schon so oft hier (das sind fünf Links!) bekommen auch hier wieder die Herrschaften von Danone ihr Fett ab. Konkret geht es um die neue Marketingkampagne um die FruchtZwerge. Da lautet der beschönigende Slogan: “Aus Frischmilch + feinst püriertem Obst + Süße aus Früchten.”
Man packt haufenweise Schlagwörter hinein, die den Eltern suggerieren, ihren Kleinsten etwas unglaublich Schmackhaftes und obendrein noch Gesundes zu servieren. Milch ist bekannt dafür, nicht ungesund zu sein, so auch Obst. Aber was verbirgt sich hinter der dubiosen Formulierung “Süße aus Früchten”? Mit etwas Graben findet man einen Hinweis darauf auf der Homepage der Fruchtzwerge. Die Seite lässt sich leider nicht direkt verlinken. Wer interessiert ist, möge sich durch das Navigationsmenü auf der linken Seite quälen. Unter Fruchtzwerge -> Süße aus Früchten findet man entsprechende Informationen. Dort liest man folgendes:
“Traubenfruchtsüße ist ein Dicksaft, der aus reifen Trauben gewonnen wird. Er besteht hauptsächlich aus Wasser, Fruchtzucker und Traubenzucker. Traubenfruchtsüße verfügt über eine ganz besondere Süßkraft.” (Quelle: fruchtzwerge.de)
Traubenfruchtsüße ist also nichts anderes als Zuckerwasser, und zwar mit soviel Zucker, dass es schon dick wird! Weiters liest man an gleicher Stelle:
“Zucker ist nicht gleich Zucker
Kristallzucker, Milchzucker, Traubenzucker, Fruchtzucker
… Worin liegt der Unterschied?Milch und daraus hergestellte Lebensmittel enthalten von Natur aus Milchzucker. Milchprodukte mit Früchten oder auch ein selbst gemischter Naturjoghurt mit Früchten enthalten außerdem Traubenzucker und Fruchtzucker.
Den meisten Milchprodukten wird Kristallzucker zugesetzt. Anders bei FruchtZwerge: Sie werden mit Traubenfruchtsüße gesüßt.”
Bitte was? Gerade liest man noch “Worin liegt der Unterschied?” und bekommt allerdings die Antwort auf die Frage “Worin kommt welche Art von Zucker vor?” Auf die eigentliche Frage wird überhaupt nicht eingegangen. Für die Politik wäre Danone auf jeden Fall bestens gerüstet! Hier endet erstmal die Suche nach Antworten. Aber ich gebe noch nicht auf. Also auf zu unserer Online-Enzyklopädie Wikipedia. Dort können wir etwas Licht in die Sache bringen.
Über Zucker weiß man auch hier, dass es verschiedene Sorten gibt. Die Aufzählung ist sogar recht umfangreich wie ich finde. Auch über Fruchtzucker ist einiges zu lesen, unter anderem das hier:
“Die negativen Effekte der Fructose auf die Gesundheit sind nicht zuletzt darauf zurückzuführen, dass rund ein Drittel der Bevölkerung Fructose nur schlecht aufnehmen kann. Der nicht resorbierte Zuckeranteil führt in der Folge zu vermehrten Bakterienwachstum im Darm, was wiederum zu einer chronischen Immunstimulation und damit zu Insulinrezeptorresistenz führt. Auf diese Art wird die angeblich „bessere“ Toleranz bei Diabetikern langfristig wieder zunichte gemacht. Fructose ist somit bei einem Drittel der Bevölkerung als „diabetogen“ anzusehen und nicht nur für den Diabetiker kontraindiziert, sondern auch für die meisten Gesunden als gesundheitsschädlich anzusehen. Daher wird auch eine entsprechende Deklarationspflicht gefordert.
Nach Arbeiten der Gruppe um Richard J. Johnson, University of Ganesville, Florida, führt die Zufuhr von Fructose zum Anstieg der Harnsäure (siehe oben), was wegen des Fehlens der Uricase bei den Hominiden deutlich ungünstigere Auswirkungen hat als bei z. B. Laborratten: Im Gefäßendothel ist eine verminderte Bioverfügbarkeit von NO festzustellen, was Versteifung der Gefäßwand bedeutet und damit einen Bluthochdruck erklärt. Da NO für die Wirkung von Insulin am Insulinrezeptor verfügbar sein muss, besteht bei NO-Mangel eine Insulinresistenz.” (Quelle: Wikipedia)
Da wurde das Image der Fructose doch etwas angekratzt, obwohl diese von Danone so hoch gelobt wird auf seiner FruchtZwerge-Seite. Auch über Traubenzucker ist ein Artikel vorhanden. Allerdings wird dort nicht wirklich auf Probleme durch den Konsum hingewiesen. Es wird lediglich erwähnt, dass vom Körper bei ausreichendem Angebot an Dextrose aus dieser Fettsäuren gebildet werden. Der Fall ist damit klar denke ich.
Danone behauptet außerdem, dass den Fruchtzwergen kein Kristallzucker zugesetzt werde. Was heißt das? Nach kurzer Suche zeigt sich, dass Kristallzucker, Rohrzucker und Saccharose dasselbe sind. Auch wenn ich auf die Schnelle bei Wikipedia keine Hinweise auf dessen Schädlichkeit durch übermäßigen Konsum finden konnte, so sind diese doch weitgehend bekannt, aber er ist ja nicht drin, also hacke ich darauf nicht auch noch herum
Was ist jetzt aber wirklich das verwerfliche daran? Man hat doch nur eine in Massen schädliche Substanz gegen eine andere in Massen schädliche Substanz ersetzt. Das Problem dabei ist, dass in den Köpfen der Leute Kristallzucker als Zucker verankert ist. Beim Wort Zucker denken sie sofort an einen Haufen weißer Kristalle. Jedoch ein Fruchtsaft gilt schon als gesund, dabei enthält beispielsweise Traubensaft mehr Zucker als Cola. Wenn nun die hingebungsvolle aber unkritische Mutter die Regale im Supermarkt nach etwas Gutem für ihre Kinder absucht, wird sie bei den FruchtZwergen mit allen nötigen Schlüsselreizen versorgt, die eine gesunde Ernährung suggerieren: Obst, Milch, kein Zucker! Ja richtig, kein Zucker! Es steht ja nichts von Zucker darauf. Dieser versteckt sind meist hinter Formulierungen wie “Kohlenhydrate” – die allgemein als wichtig für die Ernährung gelten – oder wie hier “Süße aus Früchten”.
Solche Euphemismen sind in der Werbung weit verbreitet.
“Der Euphemismus (deutsch auch: Hehlwort, Hüllwort, Verhüllung, Beschönigung) (latinisierte Form des griechischen ευφημισμός, von altgriechisch euphemi „schönreden, beschönigen“) bezeichnet Wörter oder Formulierungen, die einen Sachverhalt beschönigend, verhüllend oder verschleiernd darstellen. Euphemistische Begriffe können wegen ihres verharmlosenden Charakters auch einen sarkastischen Unterton haben.” (Quelle: Wikipedia)
Es ist nichts anderes, als der Versuch, eine ungesunde Zutat gesund erscheinen zu lassen. Selbst wenn das ein gängiges Mittel in der Werbung ist, im Zusammenhang mit der Ernährung unserer Kinder führt es zu schwerwiegenden Folgen. Schon seit Jahren steigt der Anteil an ernährungsbedingter Diabetes schnell an (unter anderem hier nachzulesen). Gerade wenn sich ein Konzern nach außen hin so der Gesundheit seiner Kunden verschreibt, dann darf so etwas einfach nicht passieren! Da gesetzliche Regelungen fehlen, bleibt nur ein Appell an das Gewissen und den Verstand der Mitarbeiter solch scheinheiliger Unternehmen wie Danone übrig. Aber Verstand ist dort dem Anschein nach eine rar gesäte Tugend ein reines Gewissen lässt sich offensichtlich kaufen…

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Am 9. März 2008 um 21:50 Uhr
Solche irreführende Werbung kommt aber beim Käufer sehr gut an, aber man muss deutlich sagen, dass Auszugsprodukte eben nur noch einen Teil der Inhaltsstoffe enthalten und leider meist nicht die gesündesten sondern eher das Gegenteil
Am 10. März 2008 um 09:53 Uhr
ein tipp: nehm das mal unter die Lupe…das esse ich gerade…da steht: stärkt die abwehrkräfte mit BIO-Aktivstoffen ( nirgends ein Bio-Logo zu sehen)
http://www.wuv.de/news/unternehmen/meldungen/2008/02/87101/index.php
Am 10. März 2008 um 10:12 Uhr
[...] habe ich bei Werbewahn einen sehr guten Artikel entdeckt: “Die Zucker-Lüge – damit füttern wir unsere Kinder!“. Der Beitrag schildert sehr schön, warum man nicht alles glauben sollte, was in der Werbung [...]
Am 11. März 2008 um 10:52 Uhr
Irreführende Werbung ist doch nichts neues. Und Unternehmen die ihre Wikipedia Artikel von Kritik befreien sind auch nichts ungewöhnliches…
Am 11. März 2008 um 11:13 Uhr
Du hast recht, so ist es leider, aber das habe ich auch nicht behauptet in meinem Artikel.
Am 12. März 2008 um 17:11 Uhr
Möchte mal als Vertreter der “Werbebranche” mein Ei reinhauen…
Werbung ist ein Spiegelbild der Menschen und damit genauso ehrlich wie die Menschen selber.
Am 12. März 2008 um 22:39 Uhr
Das mag sein. Aber das ist überhaupt keine Rechtfertigung für die Lügen, die manchmal über die Mattscheibe flimmern oder andernorts herumschwirren.
Werbung ist meiner Meinung nach schon lange mehr als der Versuch, zum kaufen eines Produktes zu überzeugen. Sie bildet Meinungen, sie polarisiert, sie ist emotional – und vor allem hat sie eine große Reichweite. Und gerade deshalb tragen die Werber der FruchtZwerge oder anderen Produkten eine größere Verantwortung als ‘irgendein Mensch der halt lügt weil er es immer wieder tut’. Es ist etwas anderes, einen möglicherweise gesundheitsschädlichen Inhaltsstoff zu verschleiern, als eine der gut zweihundert täglichen Lügen eines Durchschnittsmenschen auszusprechen. Das kann man überhaupt nicht vergleichen.
Am 16. März 2008 um 16:35 Uhr
Damit, dass Werber eine besondere Verantwortung haben gebe ich Dir absolut recht…
und das Eis zwischen “wohlwollender Betrachtung” und Lüge ist sehr gering.
Ich meine, jeder sollte Botschaften ( und dazu gehört ja auch werbung) mit einer kritischen Distanz betrachen.
Am 3. April 2008 um 18:00 Uhr
So wertvoll wie ein kleines Steak:
Liebe Werbeagentur aus Heidenheim, wenn die Werbung ein Spiegelbild der Menschen ist und die zu doof sind um den Beschiss zu erkennen, wie ist dann die Werbung? Auch doof oder zynisch?
“Packt einfach mehr billiges Milchpulver rein und erzählt dann was von der Extra-Portion Milch!”
Am 5. Oktober 2008 um 11:35 Uhr
Ich recherchiere grade für ein essay für das ich mir auch die “fruchtzwerge lüge” rausgesucht habe.
in dem essay werde ich auchnoch auf die kennzeichnung “ohne künstliche aromen” eingehen.
ich finde dass sollte auch erwähnt werden wennn man von joguhrt insbesondere von fruchtzwergen ->für kinder spricht.
zugegebener maßen habe ich auch nicht mehr als 2 klicks auf dieser seite weiter danach gesucht …also sry wenns gleich im nächsten artikel steht
daumen hoch!sehr informativ
Am 22. Oktober 2008 um 09:41 Uhr
Hallo zusammen,
bin auch ein Vertreter der “Werbebranche” und muss der Aussage, dass die Werbung ein Spiegelbild der Menschen ist, massiv widersprechen. Die heutige Werbung informiert nicht mehr, sie versuch zu manipulieren. Es wird dem Käufer suggeriert, dass er erst dann “schöner, besser, erfolgreicher” usw. ist, wenn er das Produkt xy besitzt. Die gesamte Werbung zielt immer auf eine Mangelerscheinung des Käufers ab, die nur durch den Kauf beseitigt werden kann. Und diese These wird uns täglich in Form von TV-Spots, Anzeigen, Plakaten, Werbebriefe usw. penetriert.
Es mag komisch klingen, aber mich persönlich nervt die heutige Werbung gewaltig. Als Insider mag ich es nicht glauben wie die Unternehmen und die “Kreativen” reihenweise Werbebudgets verschleudern. Jetzt liegt natürlich nahe zu sagen: “Dann wechseln Sie doch den Beruf oder die Branche.” Aber genau hier liegt der Reiz. Denn die Unternehmen müssen aufhören zu werben, sie müssen kommunizieren. Und zwar mit den Kunden bzw. Käufern. Hier gibt es noch einiges zu tun und es wird noch eine Weile dauern. Deshalb bleibe ich im Bereich Marketing und in der Werbebranche.
Viele Grüße
Am 24. Oktober 2008 um 14:07 Uhr
Es tut gut, zu hören, dass es auch “hinter den Linien” Leute gibt, die unsere Ansichten teilen. Natürlich habe ich nie bezweifelt, dass auf keinen Fall alle vom Fach einverstanden sind mit allen gängigen Praktiken.
In diesem Sinne kann ich dir nur viel Erfolg wünschen beim Aufmischen der gegenwärtigen Praktiken.
Phillip
Am 5. November 2008 um 11:55 Uhr
Hallo Phillip,
ja irgendwann werden es auch die letzten Unternehmen und “Werber” begriffen haben.
Bis dahin freue ich mich auf das Aufmischen der gegenwärtigen Praktiken und das anschließende “Gejammer” der Werbebranche.
Viele Grüße
Am 22. Dezember 2008 um 09:06 Uhr
ich frage mich die ganze zeit wer die verantwortung für diese katastrophale und krankmachende entwicklung übernehmen wird? das alles ist mit immensen kosten verbunden, die letztendlich der steuerzahler tragen muss! die INDUSTRIE scheffelt milliarden und die gesellschaft – wir ALLE (!) – müssen es ausbaden!!
ein minimum an zivilcourage und eigenverantwortung täte den industrien verdammt gut. dazu zähle ich auch die werbebranche! doch bei diesen unternehmen geht es immer nur um profit und wachstum; bis im endeffekt keine konsumenten mehr überbleiben, weil sie tot sind…
werbung ist KEIN spiegelbild der gesellschaft, sondern reine manipulation der allerärgsten sorte: die superschlanke grazie, mit rotem kussmund, die sinnlich beglückt in einen schokoriegel beisst…warum nicht eine dicke trullala? weil’s dann niemand kaufen täte?? solche beispiele gibt es massenweise…
Am 17. Juli 2009 um 19:16 Uhr
So arbeitet die Industrie:
http://www.wild.de/wild/opencms/de/markets_trends/beverage/current_trends/sweetness.html
Schaut man auf die Produktbeschreibung, dann kann ich mir gleich halbes Glas Wasser nehmen und mit Zucker auffüllen. Das dürfte das gleiche Geschmackserlebnis sein