Die Breitbandlüge…
Dass wir heute alle - zumindest laut Werbung - Breitbandinternet brauchen, ist hinlänglich bekannt. Was wäre ein Internet, wenn wir minutenlang auf unsere geliebten Internetseiten warten müssten, wenn wir beim Versand unserer elektronischen Post ewig auf eine Statusanzeige blicken müssten? Richtig, es wäre altmodisch! Die Methode, mit der uns im Spot von UPC Breitbandinternet schmackhaft gemacht werden soll, erinnert mich ein bisschen an diese Stelle einer Simpsons-Episode. (Man beachte den Computerhändler in der zweiten Hälfte des Videos!)
UPC will uns tatsächlich mit folgendem Slogan ein Breitbandinternet anbieten: “Schluss mit langsam Buchen!” Das klingt für mich ein bisschen nach:
“Sie wollen einen Urlaub buchen!? Oh mein Gott! Da brauchen sie Breitband, sonst ist der Sommer vorbei, bevor sie gebucht haben!”
Was ist eigentlich Breitbandinternet? Ein Blick auf Wikipedia offenbart uns sofort eine herrliche Definitionslücke, wonach ein Internetzugang ab einer Bandbreite von 128 - 2048 kbit/s ein solches ist. Die durchschnittliche Homepage eines Reiseanbieters hat wohl kaum mehr als 300-600 Kilobyte (ein paar schöne Bilder gehen sich da schon aus…) und wäre somit selbst mit einem 56k Modem in 42 - 84 Sekunden heruntergeladen… also in einer Minute. Das klingt eigentlich schon schrecklich langsam.
Aber wenn wir das mit anderen Anwendungen vergleichen, dann fällt schon die Unsinnigkeit dieses Werbespots auf. Wir gehen wieder von 56 kbit aus (bekommt man das heute eigentlich noch?).
- Das Herunterladen eines Songs (3-6 MB)
Dauer: 440 - 880 Sekunden bzw schon siebeneinhalb Minuten bis zu einer Viertelstunde - Herunterladen eines Musikvideos (10-40 MB)
Dauer: 1500 - 6000 Sekunden bzw eine halbe bis zwei Stunden - Herunterladen einer neuen Linuxdistribution (eine CD, 500-700 MB)
Dauer: stattliche 75000 Sekunden oder gut 21 Stunden für 500 MB, gute 30 Stunden für 700 MB - Herunterladen einer DVD - für welche Zwecke auch immer (5-10 GB)
Dauer: 8 Tage bis ein Monat
Es gibt wirklich viele Gelegenheiten, die nach einem Breitbandinternet schreien, aber das Buchen einer Reise gehört mit Sicherheit nicht dazu.
Wenn man von den illegalen Datentransfers und den Möglichkeiten für fortgeschrittene Internet- und Computerbenutzer absieht, so kann man getrost sagen, dass man außer für Youtube wirklich keinen Breitbandzugang benötigt - auch wenn uns das mittlerweile von allen Seiten eingeredet wird. Gerade (zukünftige) Benutzer, die sich nicht auskennen und auch nicht gewillt sind, sich auch nur mit einem Basiswissen einzudecken, leiden erheblich unter solchen Kampagnen. Es sind nämlich genau solche, die sich daraufhin eine für ihre Verhältnisse zu teure Verbindung zulegen. Natürlich will ich nicht bestreiten, dass Breitband trotzdem vieles angenehmer macht.

25.02.2008, 21:20 Uhr
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Am 26. Februar 2008 um 12:48 Uhr
ich finde Sie witzig und aufmerksfm. Danke :o)
Am 25. März 2008 um 03:36 Uhr
Doch es gibt noch einige Gründe für richtig schnelle Zugänge, für IPTV sind 16Mbit schon Pflicht, VDSL ist da schon sehr interessant. Vor allem bei HD-Material und wenn man meherer Streams (z.B. im Schlaf- und Wohnzimmer) gleichzeitig laufen lässt.
Gruß!
Am 7. April 2008 um 08:32 Uhr
IPTV ist zur Zeit noch weitgehend unbekannt - nicht einmal die Hälfte aller Deutschen weiß überhaupt, was das ist. Außerdem rentiert es sich nicht, Sat ist wesentlich billiger.
Das war noch ein Grund… die Rede war zuletzt von einigen?