Spirelli alla Supermama!?

Maggi Fix ist der Name eines Sortiments an (Halb)Fertiggerichten von Maggi. In der Werbung sieht man eine verzweifelte Frau über einem Haufen Kochbücher. So ungefähr stelle ich mir eher Martin über seinen Rechtsbüchern am Abend vor seinen Prüfungen vor als eine Frau mit einer hungrigen Familie. Das deutet ja schon darauf hin, dass die Mutter selbst kochen will.

Dann kommt das (nervige) Kind daher. „I wär‘ für Spirelli alla Supermama!!“ und wedelt mit einem Päckchen Maggi Fix Fertigzeugs herum. Daraufhin ist natürlich die Mutter auf der Stelle von ihren Küchendepressionen befreit und kocht frisch beschwingt ein geniales (Fertig)Gericht. Ruck Zuck ist die ganze Familie am Esstisch versammelt und bejubelt die ach so genialen Kochkünste der Mutter.

Abgerundet wird dieser Unfall von einer Werbung mit einer Mischung aus miesem Scherz und versuchtem Wortspiel. Der schusselige Papa bekleckert sich und auf das „… und fertig sind die Spirelli alla Supermama!!“ folgt sofort ein „Super, Papa!“ Jetzt haben wir natürlich alle herzlich gelacht und deshalb wird es Zeit für ein bisschen ernstere Sachen.

Diese Frau kocht nicht selbst! Das ist kein Gericht alla Mama! Selbst kochen ist, wenn man selbst würzt, wenn man selbst die Zutaten aussucht, wenn man weiß, was im eigenen Essen ist! Aber die in der Werbung demonstrierte Tätigkeit ist nicht das Kochen einer hausgemachten Speise, wie es die Werbung suggerieren will.

Das Licht ist absolut kitschigst warm gehalten und zu allem Überfluss wurde auch noch viel zu tief in den viel zu warmen Farbtopf gefasst beim Nachfärben am Computer. Keine Wohnung sieht so aus.

Und zum vierundzwanzigmillionenzweihundertachtundneunzigtausendachthunderteinundvierzigsten mal wird uns das Klischee der krankhaft glücklichen Familie am Mittagstisch um die Ohren gehauen. Erst recht die Suggestion, dass es ohne Maggi Fix nicht geht, finde ich vollkommen daneben. Bevor jetzt blöde Kommentare kommen wie „… du bist doch nur neidisch weil deine Familie nicht glücklich gegessen hat…“ oder so etwas in der Art: meine Familie pflegte wirklich eine meiner Meinung nach gute Esskultur. Sofern es uns möglich war, saßen wir alle am selben Tisch, zur selben Zeit und ohne dabei fern zu sehen. Da ich jetzt gute 550 km weiter lebe und studiere ist das leider nicht mehr in dem Ausmaß möglich. Aber eines ist sicher: Wenn meine Mutter gekocht hat, dann war es wirklich selbst gemacht. Ich habe, bis ich zwölf war, nicht wirklich gewusst, dass es so etwas wie Fertiggerichte gibt.

Andrerseits verstehe ich die Nachfrage nach diesen Produkten. Sie sind einfach und schnell zubereitet und schmecken oftmals wirklich nicht schlecht. Aber das kann man in einem Werbespot als Qualitäten anführen, ohne eine viel zu heile Welt vorzuspielen.

3 Reaktionen zu “Spirelli alla Supermama!?”

  1. gotti

    schlecht schmecken wäre bei der enthaltenen menge an aromastoffen und geschmacksverstärkern auch eine reifen leistung 😉

  2. ramses101

    Wollte ich auch gerade schreiben. Was da an Glutamat reingekloppt wird, will ich gar nicht wissen. Und dass Fertiggerichte zwingend schneller ferig sind, sehe ich auch nicht.

  3. Phillip

    Nicht schneller als jedes selbstgemachte Gericht, das ist wahr. Aber ich denke mal dass man sagen kann, dass Fertiggerichte schneller und leichter zuzubereiten sind als der Durchschnitt der anderen Speisen – vorausgesetzt man ist nicht sehr bewandert, was das Kochen angeht. Und das ist leider eine Voraussetzung, die auf immer mehr Leute zutrifft. 🙁

    Ich koche übrignens sehr gerne. Am Anfang waren meine Spezialitäten auch auf Spiegeleier und Wurstnudeln beschränkt, aber das gibt sich sehr schnell, wenn man sich ein bisschen damit beschäftigt.

    Die Geschmacksverstärker sind natürlich ein anderes Problem. Glutamat verstärkt das Hungergefühl. Daher isst man von solchen Speisen oftmals mehr als nötig und das Risiko von Übergewicht steigt stark an.

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