Von ein- und zweiarmigen Banditen
Chris hat auf seinen Streifzügen in der Nähe von Stuttgart nebenstehendes Plakat (Klick vergrößert) entdeckt und weil er so begeistert von der Information war auch gleich fotografiert, nur um es uns zukommen zu lassen. Auch wenn ich es ehrlich gesagt fast vergessen hätte, schätze ich diesen Enthusiasmus natürlich sehr, deshalb an dieser Stelle ein großes Dankeschön.
Was sehen wir also auf diesem Plakat? Telekommunikationsdienstleister O2 möchte Kunden gewinnen, indem er etwas namens O2DSL anbietet und dabei eine ganze Reihe von Fragezeichen aufwirft.
- Da wäre zum einen die große Ankündigung: “Ein Anschluss. 3 Flatrates.” Davon kann man sich schon ein Bild machen, wenn man nur das Plakat etwas weiter überfliegt. Während es sich beim Internetanschluss in der Tat um eine Flatrate handelt, kann davon beim Telefon schon keine Rede mehr sein. Immerhin kosten Anrufe, die nicht ins Festnetz oder ins Netz von O2 Germany gehen extra. Eine Flatrate für Internet, Festnetz und O2 wäre wohl richtiger, ist ja auch nur eine Leitung.
- Dann wäre da noch das Bild. Ein einarmiger Bandit. Ist die Wahl des “richtigen” Anbieters ein Glückspiel? Und was hat das wegfliegende Glas zu bedeuten? War da jemand sauer und hat mal dagegen gehauen? Für einen Jackpot reicht die Sache sicher nicht, jeder weiß, dass man dafür drei Symbole der gleichen Sorte benötigt. Ich habe ja eine Idee:
Der Name Einarmiger Bandit soll signalisieren, dass er dem Benutzer wie ein Bandit das Geld aus der Tasche zieht, sobald man seinen Arm (Hebel) betätigt. (Wikipedia)
Dazu noch die anziehende Wirkung: sogar meine Großmutter ist einmal, wenn auch glücklicherweise nur kurz, der Spielsucht vor so einem Gerät verfallen. O2 zieht einem also nach Vertragsschluss das Geld aus der Tasche und man kommt nicht mehr davon weg?
- Natürlich darf auf unserem Plakat auch der typische Kundenfang nicht fehlen: Man kann auch noch bis zu 305,-€ sparen! Wie sich diese 305 Euro allerdings errechnen ist mir ziemlich schleierhaft. Gut, 60 Euro in den ersten drei Monaten wegen verringerter Grundgebühr (?), aber dann?
Der aufmerksame Bildbetrachter hat vielleicht schon den, gerade wenn man in der Fußgängerzone unterwegs ist, hervorragend lesbaren, weil angenehme Schriftgröße und genau auf Augenhöhe befindlichen, und auch überhaupt nicht überschwänglichen Abschnitt mit Text am unteren Rand des Plakats entdeckt (wer Ironie findet, darf sie behalten). Da wird das Rätsel wahrscheinlich aufgeklärt.
Ich stelle mir gerade vor, wie ich in der Fußgängerzone vor so einem Plakat kniend, nach meiner Lesebrille suchend, versuche herauszufinden, wie ich denn nun die restlichen 245 Euro sparen kann. Die Almosen diverser mitleidsvoller Passanten dürften mich aber noch vor der rettenden Erkenntnis zum selben Ziel bringen - bei meinem verzweifelten Gesichtsausdruck…

12.11.2007, 15:47 Uhr
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