Piemontkirschen

Claudia BertaniImmer wenn der Herbst kommt, die Blätter in den Bäumen ihre Farbe wechseln und schließlich zu Boden fallen, die Tage wieder kürzer und die Aktionsflächen in Supermärkten wieder dekoriert werden, werden wir daran erinnert, dass ja schon bald (also in ein paar Monaten) wieder Weihnachten ist. Das Weihnachtsgeschäft boomt.

Genau zu dieser Zeit treffen wir auch eine alte, fast schon vertraute, Bekannte wieder. Strahlend wie eh und je schreitet Claudia Bertani in einem roten Kleid durch einen italienischen Kirschenhain, bringt die dort arbeitenden Kirschbauern vom Format der Coke-Light-Männer noch mehr zum schwitzen oder sogar sabbern und probiert dann genüsslich, geradezu lasziv, eine frisch vom Baum gepflückte, natürlich fleischlose (ohne Wurm) Kirsche: denn niemand sonst weiß so gut Bescheid, wann die Kirschen die richtige Reife haben wie Claudia Bertani. Claudia Bertani – ein wunderbar klingender italienischer Name: sie verkörpert all das, was wir uns unter Piemont, Italien, so vorstellen und uns in der kalten Jahreszeit so sehr herbeisehnen: Erotik, kurze Kleidchen, tolles Wetter. Niemand schiebt sich eine Kirsche erotischer über die Lippen. Und für die weibliche Zielgruppe bleiben ja immer noch die Coke-Light-Männer in verschwitzten Feinrippunterhemden. Dass unsere Profi-Kirschtesterin alle paar Jahre das Aussehen und das Alter im Sinne einer Verjüngung wechselt und für immer noch mehr Erotik im Werbespot sorgt, stört uns natürlich nicht im geringsten. Aber verwundern tut es uns schon. Läuft im schönen Piemont die Zeit vielleicht rückwärts?

Mon Chérie ist die beliebteste Praline Deutschlands. Den Konsum der in Schokolade verpackten, braunen, alkoholgetränkten Kirschmasse geben aber nur wenige Leute so offen zu. Ferrero veröffentlicht keine Zahlen, aber wenn man Gerüchten glauben will, dann läuft das Geschäft alles andere als schlecht.

Die Schoko-Alkohol-Kirschmischung gibt es käuflich übrigens nur in den Wintermonaten. In den Sommermonaten macht die Praline nämlich Pause – um die Qualität zu wahren, meint Ferrero. Wegen der Temperatur würden die Pralinen leiden – von moderner Lebensmittellogistik und Kühlfahrzeugen hat man wohl noch nichts gehört. Einfacher wäre natürlich, wenn man eine Marketingstrategie dahinter vermuten würde.

Noch so eine schimmernde Illusion: Die Piemont-Kirsche ist keine richtige Sorte, sondern eine bloße Erfindung der Marketingabteilung von Ferrero. Laut einer Mitarbeiterin von Ferrero würde die gesamte Kirschernte im Piemont nicht ausreichen, um genügend Mon Chérie herzustellen. Die Kirschen, die bei der Herstellung deshalb verwendet werden kommen also nicht aus Italien, sondern aus Portugal – und zwar aus einer Gegend namens Cova da Beira. Cova-da-Beira-Kirsche klingt aber nicht annähernd so interessant und assoziiert in unserem Gedächtnis auch nicht gerade die Erinnerung an den letzten Italienurlaub. Und Italien ist nun mal populärer.

Mit mir ist übrigens im wahrsten Sinne des Wortes nicht gut Kirschen essen, ich mag die Dinger nämlich nicht.

10 Reaktionen zu “Piemontkirschen”

  1. Phillip

    Oh… ich dachte mir schon so oft, dass Claudia Bertani eigentlich ein Plätzchen hier verdient. 🙂

    Endlich ist es so weit.

  2. Matthias

    Ich mag die Dinger auch nicht sonderlich. Aber Claudia Bertani ist schnuckelig! 😀

  3. Phillip

    Wer soll das eigentlich sein? Haben die da einfach eine Person erfunden? Oder hat wirklich mal jemand mit dem namen für die Firma gearbeitet und die Kirschernte irgendwie überwacht oder so?

  4. Martin

    Ich tippe auf Ersteres.

  5. Werbewahn » Carmagnola-Minze

    […] blogforumfaqkontakt « Piemontkirschen […]

  6. ramses101

    Bis vor 2 Jahren oder so war Claudia Bertani auch noch eine etwas ältere Business-Lady. Das junge sexy Ding kam danach. Heißt aber genauso. Glück gehabt.

  7. Martin

    Ich sag’s ja: Im Piemont läuft die Zeit rückwärts. 🙂

  8. Anonymus

    ohh, heul doch!

  9. hajo scheel

    eine freundin erhielt mal mon cherie -pralinen ohne branntwein aber mit seltsamer schoko-delle. offenbar eine mogelpsckung.unfassbar,da ferrero doch eine produktprüferin beschäftigt,wahrscheinlich ist die auch gemogelt…

  10. LigH

    Angeblich sei die aktuelle „Claudia Bertani“ wohl tatsächlich Catrinel Menghia, wenn man dem Titel eines YouTube-Videos glauben kann…

    https://www.youtube.com/watch?v=ASeq1nzGowQ

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