Scheinexperten

Ärzte dürfen keine Werbung machen, wenn durch diese Werbung der Eindruck entstehen könnte, dass das Produkt von dem Arzt empfohlen wird. Das ist auch gut so, sonst hätten wir bald drei verschiedene fernsehtaugliche Ärzte, die uns bei Kopfweh fünf verschiedene Medikamente andrehen wollen – die Verwirrung wäre perfekt. Auch die Formulierung „ärztlich empfohlen“ darf nur dann verwendet werden, wenn ganz strikte Regeln (Beweise, etc.) eingehalten werden, deshalb verzichtet die Werbewelt meistens darauf. Wer einen ärztlichen Rat haben möchte, der soll eben einen aufsuchen.

Die Werbewelt versucht diesem Hindernis freilich durch geschickte Szenarien auszuweichen. Medikamente werden eben von Freunden oder Familienmitgliedern empfohlen, sind ja auch Vertrauenspersonen. „Dann nimm doch eine Aspirin„, wird uns die positive Wirkung als Allheilmittel schmackhaft gemacht. Glücklicherweise sind wir von der Kombination mit der Nimm-2-Werbung („Da kann man ruhig öfter mal reingreifen!“) bisher verschont geblieben.

Ein Hersteller für Zahnhygieneprodukte, mit Namen Sensodyne, hat einen anderen Weg des Umgehens des Verbots der Werbung mit Ärzten für sich entdeckt: Wenn man Ärzte nicht nehmen darf, dann stellt man eben jemanden mit weißem Kittel hin, der den Anschein einer Ahnung hat und lässt diese Person die Überzeugungsarbeit liefern. Optimal und noch viel vertrauenserweckender sind natürlich Leute in weißem Kittel, die auch noch einen Doktor haben! Da sind wir mit der Glaubwürdigkeit schon fast im Bereich der Werbung mit einem Arzt als Werbeträger, nur ohne Arzt!

So kommt es, dass dem Konsumenten in einem derzeit laufenden Spot von einem Dr. rer. nat.  in weißem Doktorkostüm erklärt wird, dass der Zahnschmelz durch irgendwas kaputt geht und Sensodyne schützt. Dass dieser Dr. rer. nat. ein einfacher Naturwissenschaftler wie zum Beispiel ein Physiker, ein Meteorologe oder sogar ein Mathematiker sein kann, der von Zahnschmelz ungefähr soviel Ahnung hat, wie Herr Schäuble in Sachen Onlinedurchsuchung und Rechtsstaat von der Realität, braucht den Werbekonsumenten ja nicht zu interessieren, man blendet die „Fakten“ eh nur so kurz ein, dass sie bei einmaligem Sichten nicht so recht erfasst werden können.

5 Reaktionen zu “Scheinexperten”

  1. Chris

    *Daumenhoch*

    Solche Werbung gehört an den Pranger, weiter so Werbewahn-Team.

  2. Phillip

    *hust* Ich werd auch mal mag. rer. nat. 😀

  3. Rüdiger

    so weit, so gut …
    aber ich hab da mal eine Verständnisfrage: Warum darf eigentlich ein Arzt nicht sagen, dass Zähneputzen gesund und gut ist?

  4. Martin

    Dass Zähneputzen gesund und gut ist darf von einem Arzt zweifelsohne gesagt werden. Er darf nur nicht sagen, dass Zähneputzen mit dieser oder jener Zahnpaste besonders gut ist.

  5. Amy

    Die Frage ist doch: Wer sagt mir die Wahrheit?
    Und das sind bestimmt nicht die „Weißkittel“ in den Werbungen (egal welche) sondern die, die mir das Zeug nicht verkaufen wollen. Wenn jemand sagt: Hey das ist gut, dann kann ich dem doch vertrauen, der will mir das ja nicht verkaufen.

    Da ja jeder einen anderen Geschmack hat, sollte man eben einfach ausprobieren, Oftmals sind die ganzen Zahnasten einfach zu scharf, weil der ganze Kreutergarten da drinnen sein muss…

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