Der Powerstoff mit Sauerstoff
Active O2, ein neuartiges Mineralwasser, wirbt seit Markteinführung damit, dass wir es mit einem Wasser zu tun haben, das 15 mal mehr Sauerstoff als normales Wasser enthalten und damit besonders geeignet für Sportler sein soll. Das ist doch eine Errungenschaft, oder? Die Tatsache, dass Wasser als H2O bekanntlich, zumindest was die Anzahl der Atome angeht, bereits zu einem Drittel aus Sauerstoff besteht, hat mich ein bisschen zum nachrechnen und -forschen angeregt.
- Wie bekommt man eigentlich Sauerstoff ins Wasser?
Wer schon einmal einem Taucher zugeschaut hat, der weiß, dass Luftbläschen aufsteigen, durchs Wasser nach oben steigen und sich schließlich an der Oberfläche mit der Luft vermischen. Die Luft bleibt nur zu einem geringen Teil, nämlich etwa 8 Milligramm pro Liter, freiwillig im Wasser. Der Sauerstoff muss also bei der Herstellung der Flaschen kurz vor dem Gefrierpunkt des Wassers unter Unterdruck und Schütteln in die Flasche geleitet werden, dass er sich optimal löst. Soweit die Theorie. - Luftiges Wasser, und?
Angenommen der Hersteller tut genau das tatsächlich, so hat das trotzdem wenig bis keine Auswirkungen auf das Wasser, das wir dann trinken. Warum? Weil Sauerstoff, noch viel extremer als beispielsweise Kohlensäure, sofort beim Öffnen der Flasche entweicht. Und wenn wir trinken wollen, dann müssen wir wohl die Flasche aufmachen. Ist das Getränk auch noch warm, was bei Sportlern, die ja bekanntlich Zielgruppe sind, nicht selten vorkommen dürfte, geht die Sache noch schneller. Viel Sauerstoff dürfte also zum Trinken nicht übrig bleiben. - Sauerstoff trinken?
Sauerstoff ist wichtig für den Menschen. Deswegen haben wir auch tolle Bronchien in unserer Lunge, die den Sauerstoff als Energielieferanten ins Blut befördern, von da aus geht es dann in den ganzen Körper. Im Magen, also da, wo unser Sauerstoffwasser ankommt, haben wir keine Bronchien. Der Sauerstoff dringt trotzdem durch die Magenwand und versorgt die inneren Organe mit Sauerstoff, was nicht schlecht ist, allerdings gelangt er auf diesem Weg nicht in die Muskulatur der Beine oder Arme, wie uns das die Werbung gerne mitteilen möchte. Unser Magen ist eben keine Lunge. - Trinken versus Atmen
Eine kleine (etwas vereinfachte) Rechenaufgabe. Normale Luft enthält 20% Sauerstoff. Das Lungenvolumen eines Menschen, der Sport treibt (Zielgruppe!), ist etwa 5 Liter, bei normalen Menschen etwa 3-4 Liter. Unser Sportler atmet also mit einem ordentlich tiefen Atemzug einen Liter Sauerstoff ein. Davon wird nur ein Bruchteil, nämlich etwa ein Viertel (5% der Luft), tatsächlich behalten. Wir nehmen also mit einem tiefen Atmungsvorgang etwa 250 Milliliter (normale Menschen natürlich entsprechend weniger) Sauerstoff auf, der dank Blutkreislauf überall in unserem Körper verteilt wird.
Da wie oben beschrieben bereits beim Öffnen der Flasche ein Großteil des Sauerstoffs entweicht, können wir für unsere kleine Rechnung beruhigt nur das fünffache an Sauerstoff im Wasser annehmen, wir sind ja optimistisch. Um nicht lange mit Berechnungen zu nerven: das sind etwa 200 Milliliter Sauerstoff, die wir pro halbem Liter Wasser zu uns nehmen.
Verglichen mit einem tiefen Atemzug, der den Sauerstoff auch noch besser im Körper verteilt ist der Powerstoff wohl eher wenig effizient, dass er wirklich einen Power-Schub gibt, wage ich an dieser Stelle zu bezweifeln.
Fazit: Nach dem Sport einmal tief durchatmen, normales Wasser trinken und Geld sparen.
[Eine ausführliche Gegenmeinung mit Diskussion findet sich in den Kommentaren zu diesem Artikel.]

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Am 10. Juli 2007 um 19:54 Uhr
Genau so ist es – darüber habe ich mir auch vor geraumer Zeit schon mal meine Gedanken gemacht und verdrehe trotzdem jedes Mal wieder die Augen, wenn ich die Flaschen sehe. Weist man die Leute darauf hin, dass das totaler Quark ist, heißt es dann nur noch: “Aber das Wasser schmeckt mir ja auch besser!” – Also ICH kann keinen Unterschied zwischen Sauerstoff und Kohlendioxid im Wasser schmecken…
Am 10. Juli 2007 um 21:30 Uhr
Lächerlich ist dieses Wasser. Mindestens genauso lächerlich wie Sauerstoffbars. Wem der Sauerstoff in der Luft nicht ausreicht sollte sich bei einem Arzt untersuchen lassen.
Am 10. Juli 2007 um 21:42 Uhr
Mir persönlich schmeckt das Wasser noch nicht mal besonders gut. Aber das ist wohl subjektiv, vielleicht bin ich auch vom Alpenwasser zu sehr verwöhnt.
Am 11. Juli 2007 um 17:13 Uhr
Über das Thema habe ich vor einiger Zeit sogar mal ein Interview mit einem ich glaube er war Lebensmittelchemiker, gesehen.
Der hat genauso argumentiert. Wenn es nach ActiveO2 geht, müssten wir uns das Wässerchen in die Lunge kippen, um etwas vom Sauerstoff zu profitieren. Wenn da nur nicht der körpereigene Hustreflex wäre.
Interessanter fand ich übrigens seine Aussage, das die menschliche Verdauung komplett anaerob (also ohne Sauerstoff) abläuft, und noch gar nicht untersucht ist, ob eine Sauerstoffkonzentration im menschlichen Verdauungstrakt nicht negative Auswirkungen hat.
Überraschend fand ich auch, das Activeo2 aus dem Hause Adelholzener lt. deren Webseite zur Kongregation der Barmherzigen Schwestern vom hl. Vinzenz von Paul gehört. Das sind also Nonnen, die das Sauerstoffwässerchen vertreiben.
Die Oberin (CEO) habe ich glaube ich sogar schon mal bei sternTV gesehen.
Am 12. Juli 2007 um 11:15 Uhr
Sehr geehrter Herr Ulmer,
da ich als PR Berater die PR für Active O2 betreue, lassen Sie mich einige Anmerkungen zu Ihren Forschungen machen:
1+2:
Die Herstellung von Sauerstoffwasser ist tatsächlich mit einigen Herausforderungen verbunden. Schließlich muss sichergestellt werden, dass der hohe Sauerstoffgehalt über die gesamte Zeit bis zum Mindesthaltbarkeitsdatum in der Flasche enthalten ist. Die Adelholzener Alpenquellen setzen hierzu ein patentiertes Verfahren und spezielle Materialien für die Flaschen ein. Dadurch löst sich der Sauerstoff erst bei Körpertemperatur besonders leicht vom Wasser und kann seine Wirkung entfalten.
3. Es ist korrekt, dass der Sauerstoff nicht über die Lunge aufgenommen wird. Dort würde die relativ geringe Menge (im Vergleich zum geatmeten
Sauerstoff) auch kaum einen Unterschied machen. Der aus dem Wasser gelöste Sauerstoff dringt durch die Magenwand in die Blutgefäße des Bauchraums, somit in das venöse (sauerstoffarme) Blut, das die inneren Organe der Bauchhöhle, insbesondere die Leber durchströmt. Die Leber spielt eine Schlüsselrolle bei allen Stoffwechselvorgängen, sie macht dem Organismus die über die Nahrung zugeführte Energie verfügbar.
4. Die Wirkungen der Sauerstoffaufnahme über Lunge und Magen sind nicht miteinander zu vergleichen. Denn der Sauerstoff aus dem Sauerstoffwasser erreicht den Blutkreislauf an einer ganz anderen Stelle – im venösen Blut des Bauchraumes. Sauerstoffwasser ist keine Alternative zum Atmen – und Atmen ist keine Alternative zum Sauerstoffwasser.
Die entsprechenden Studien zur Wirkung von Sauerstoff wurden von Prof. Dr. Olaf Adam an der Ludwigs-Maximilians-Universität München durchgeführt.
Viele Grüße,
Christian Bölling
Am 12. Juli 2007 um 12:44 Uhr
Sehr geehrter Herr Bölling,
vielen Dank für Ihre konstruktiven Anregungen und Ihre Stellungnahme. Die Tatsache, dass man (an Ihrer Stelle sogar richtig schnell) auch auf Berichte von Amateurschreiberlingen reagiert zeugt von einer guten PR-Arbeit. Dazu Gratulation, das hat man nicht alle Tage.
Sicher erlauben Sie auch von meiner Seite einige Anmerkungen zu den Ihren.
1 und 2: Ich glaube Ihnen das patentierte Verfahren und die besonderen Flaschen. Solange die Flaschen zu sind, glaube ich auch den erhöhten Sauerstoffanteil. Wann sich der angereicherte Sauerstoff tatsächlich aus dem Wasser löst, kann ich mangels technischer Möglichkeiten nicht nachweisen, ich vermute aber dennoch, dass ein Teil bereits beim Öffnen entweicht und da die Sauerstoffkonzentration vor allem von den Faktoren Druck und Temperatur abhängt, wird eine geöffnete Flasche ebenfalls nach und nach Einbußen erleiden, bis sich die Konzentration wieder normalisiert hat.
3 und 4: Es ist korrekt, dass die Leber eine wichtige Schlüsselrolle im Organismus spielt. Ebenfalls ist es richtig, dass dort Sauerstoff gebraucht wird. Aus diesem Grund gibt es im menschlichen Körper die Arteria hepatica, die Leberarterie, die das sauerstoffreiche Blut von der Lunge dort hin bringt. Wofür deshalb auch noch Sauerstoff im venösen Blut benötigt wird, ist mir schleierhaft. Klären Sie mich auf.
Wo wir schon bei wissenschaftlichen Studien sind, das ist ein derzeit noch unbehandelter Bereich dieses Artikels. Unbehandelt deswegen, weil ich darauf eigentlich nicht eingehen wollte, ich hole das aber gerne nach.
Können Sie mir ein Beispiel einer Publikation in einer anerkannten Fachzeitschrift nennen, die eine positive Wirkung von Sauerstoffwasser bestätigt? Können Sie mir die von Ihnen erwähnte Studie zum Thema zukommen lassen? Das Problem solcher Studien ist ein zweifaches: erstens sind sie meist vom Hersteller selbst in Auftrag gegeben worden (Objektivität? Glaubwürdigkeit?) und zweitens müssen nach den Gesetzen der Wissenschaft solche Ergebnisse reproduzierbar sein um als Beleg zu gelten. Das sind sie bislang nicht, man kann bestenfalls von Einzelfällen sprechen, deswegen wird die Wirkung in wissenschaftlichen Kreisen meiner Meinung nach nicht unberechtigt bezweifelt.
Eine wissenschaftliche Studie, die im Österreichischen Journal für Sportmedizin publiziert wurde, gibt es übrigens tatsächlich, für PR-Zwecke eignet sie sich aber eher weniger. Univ. Prof. Dr. Wolfgang Marktl von der Medizinischen Universität Wien hat darin festgestellt, dass eine Wirkung (Verminderung der Milchsäurekonzentration und Herzfrequenz) nur bei Extremsportlern nachzuweisen sei, das Wasser müsse dafür aber über einen Zeitraum von mehreren Wochen konsumiert werden. Und um den Verfasser der Studie selbst zu zitieren: “Dieser Effekt bewirkt keine Leistungssteigerung und hat außerhalb des Hochleistungsbereiches keine Auswirkung.”
Ich harre gespannt Ihrer Stellungnahme.
Beste Grüße,
Martin
Am 13. Juli 2007 um 11:58 Uhr
Also bis zu diesem Kommentar war das ganze eigentlich recht lustig…
Am 13. Juli 2007 um 12:00 Uhr
Sehr geehrter Herr Ulmer,
danke für das Kompliment. Es ist auf jeden Fall unser Ziel, Weblogs gut zu bedienen. Allerdings steckt diese Arbeit noch in den Kinderschuhen. Deshalb können wir nicht immer garantieren, dass uns dies gelingt. Aber das nur am Rande.
Auch am Rande kann ich zu Ihrem Kommentar oben sagen, dass Active O2 aus reinstem Alpenwasser hergestellt wird. Adelholzen liegt ja im Chiemgau, zwischen München und Salzburg. Und von dort stammt Adelholzener Mineralwasser, die Grundlage von Active O2. Und, weil ich es gerade in einem anderen Kommentar sehe, Sauerstoff ist auch keine Alternative zur Kohlensäure im Wasser. Es gibt Active O2 mit und ohne Kohlensäure. Dabei ist ein Geschmacksunterschied zum klassischen Adelholzener Mineralwasser deutlich schmeckbar.
Zum Entweichen des Sauerstoffs: Ja, es entweicht ein Teil des Sauerstoffs beim Öffnen der Flasche. Genauso, wie ja auch ein Teil der Kohlensäure entweicht. Dennoch ist auch nach dem Öffnen der versprochene Gehalt an Sauerstoff im Wasser enthalten.
Es ist meines Wissens nach richtig, die Sauerstoffversorgung der Leber wird über die Arterie sichergestellt. Deshalb ja auch mein Kommentar, dass Sauerstoffwasser und Atmen keine Alternativen für einander sind. Allerdings gelangen die Nährstoffe über das venöse Blut in die Leber. Sauerstoff erhöht den Druck in der Ader dorthin und durch zusätzlichen Druck wird der Transport dieser Nährstoffe verbessert.
Zu den Studien. Ihr Zitat der Studie von Prof. Marktl besagt ja auch, dass der Konsum von Sauerstoffwasser im Hochleistungsbereich eine Auswirkung hat, oder? Ich schreibe das nicht, um die Studie hochzujubeln. Aber man kann nicht sagen, dass keine Wirkung festgestellt wurde.
Aber zurück zum Anfang: Es wurde bereits vor einigen Jahren damit begonnen, Studien zum Thema Sauerstoffwasser durchzuführen. Soetwas zieht sich ja, gerade mit dem Prozess der Veröffentlichung, immer über eine gewisse Zeit. In einer ersten Studie, veröffentlicht im angesehenen “European Journal of Medical Ressearch”, wurde untersucht, wie der Sauerstoff in der Körper gelangt und wo er sich dort verteilt. Das ist aber ja nur der erste Schritt: Wenn man weiß, wo der Sauerstofff hingeht, muss man im zweiten Schritt herausfinden, was er dort macht. Entsprechende Studien laufen. Aufgrund einer kommenden Veränderung in der Gesetzgebung der EU können wir aktuell noch keine Ergebnisse nennen. Ich weiß, das ist für Sie sicherlich nicht befriedigend. Aber etwas anderes kann ich Ihnen dazu öffentlich (noch) nicht sagen.
Dass die Studien von Adelholzener unterstützt wurden, ist richtig. Aber sehen Sie es doch mal so: Es ist doch richtig und wichtig, dass Unternehmen die Forschung unterstützen. Schließlich hat Adelholzener doch ein berechtigtes Interesse daran, die Wirkungen von Sauerstoffwasser zu untersuchen. Dabei – so zumindest meine Meinung – kann man nicht jedem Menschen, dessen Arbeit bezahlt wird, automatisch eine parteiische Vorgehensweise unterstellen. Schließlich hat ein angesehenes Institut wie das Walther-Straub-Institut der Ludwigs-Maximilians-Universität München auch einen Ruf zu wahren.
Die Kritiker, deren Existenz ich logischerweise nicht leugne, haben bei näherer Betrachtung meist nicht allzu schlagkräftige Argumente. So hat in einem Medium ein Lebensmittelchemiker behauptet, man pupse den Sauerstoff einfach aus. Dass das – aufgrund des anaeroben Darms – nicht möglich ist, wird Ihnen jeder Arzt bestätigen. Aber Medien, die diese Experten einladen, fragen häufig nicht beim Unternehmen an, welche Argumente es dort gibt. Insofern bin ich froh, mich hier äußern zu können.
Ich bin kein Mediziner und kann daher auch nur auf das Wissen vertrauen, was ich von Medizinern – Prof. Adam und denen aus meinem Bekanntenkreis – weitergegeben bekommen habe. Daher würde ich vorschlagen, dass wir – wenn weitere Fragen bestehen – diese an Professor Adam weiterleiten, der die Studien durchgeführt hat und durchführt.
Viele Grüße,
Christian Bölling
Am 13. Juli 2007 um 15:19 Uhr
Alles schön und gut. Aber selbst wenn die Sauerstoffnummer in dem Wasser irgend einen Effekt im Mikrobereich hat, bleibt das Ganze eine Marketingidee. Dem Verbraucher bringt es nichts – außer vielleicht einem guten Gefühl, was, zugegeben, ja auch schon was ist.
Ein fader Beigeschmack bleibt (wenn auch vielleicht nicht direkt bei dem Wasser, keine Ahnung, ich hab es noch nicht probiert). Aber Flavoured- und Near-Water dürfte halt ausgereizt sein, von daher können wir uns wohl noch auf einige Merkwürdigkeiten im Segment Functional-Water freuen.
Ist das Zeug eigentlich auf der Tour de France erlaubt?
Am 13. Juli 2007 um 19:15 Uhr
Es ist toll, dass sich jemand von der PR so schnell und ausführlich hier meldet – auch meine Hochachtung davor.
Aber wissenschaftlich gesehen ziehe ich meine Augenbraue mal einen halben Kilometer höher, wenn ich lese, dass der Sauerstoff über den Magen aufgenommen werden soll: Die Blut-Luft-Schranke in den Lungen ist zwischen 0,1 und 1,5 µm dick (1 µm ist ein tausendstel Millimeter). Die Wand des Magens hingegen ist etwa 3mm dick – plus etwas Schleim, der da drauf liegt. Ich glaube, das klappt nicht…
Am 14. Juli 2007 um 16:35 Uhr
[...] noch ein kleiner Hinweis für die Blogger unter euch: Achtet ein bisschen auf eure Comments! Beim Werbewahn ist gerade eine hübsche Diskussion in den Comments gestartet, da sich zu einer kritischen [...]
Am 16. Juli 2007 um 15:31 Uhr
Sehr geehrter Herr Ulmer,
wenn “Blogger Relations” Einzug in die PR halten, wird es wohl nötig, bei uns einen Blogger-Wochenenddienst einzurichten… Hier meine etwas verspätete Antwort.
Ich habe mich doch noch einmal bei Prof. Adam erkundigt. Ich möchte Ihnen schließlich eine korrekte Antwort geben. Sie haben Recht damit, dass die Blut-Luft-Schranke in den Lungen weniger dick ist als die Magenwand. Aber das spielt für die Diffusion des Sauerstoffs keine Rolle – außer, dass der Sauerstoff einige Sekunden länger braucht, um durch die Magenwand hindurch zu wandern (wenn ich das mal so unwissenschaftlich sagen darf).
Sauerstoff kann all diese Membranen durchdringen. Er nutzt dabei die Interzellularräume – die Räume zwischen den Zellen. Worauf es bei der Durchdringung der Membranen ankommt, ist, dass der Sauerstoffdruck hinter der Membran nicht höher ist als vor der Membran. Das ist auch der Grund dafür, warum der Sauerstoff aus dem Sauerstoffwasser nicht über das Zwerchfell in die Lunge, sondern über die Magenwand ins venöse Blut des Bauchraums gelangt.
Ich kann und will Ihnen nicht vorschreiben, welche Meinung Sie zu Active O2 haben. Aber ich denke, in der Diskussion wird deutlich, dass das Thema keineswegs so einfach ist, wie es sich so manches “aufklärendes” Medium machen will. Umso besser, dass man in Blogs wenigstens die Möglichkeit hat, einen Standpunkt deutlich zu machen.
Viele Grüße,
Christian Bölling
Am 16. Juli 2007 um 19:18 Uhr
Sehr geschätzter Herr Bölling,
vielen Dank für eine weitere, zugegebenermaßen nicht uninteressante Antwort auf Fragen, die nicht ich persönlich, aber andere Leser dieses Blogs gestellt haben. (Deshalb ist die direkte Anrede auch etwas verwunderlich, aber sei’s drum.) Ich bin derzeit auch beruflich etwas eingebunden, deshalb hier meine verspätete Antwort.
Zu erst zu den Studien, meinem Lieblingsgebiet. Dazu gleich mehrere Punkte.
1. Es ist nichts falsch daran, dass die Wirtschaft die Forschung fördert – wir wären noch nicht so weit auf allen Gebieten, gäbe es nicht die Wirtschaft, die die teilweise teure Forschung finanziell unterstützt. Was ich aber für zweifelhaft halte ist die Tatsache, dass man sich zuerst marketingtechnisch etwas hübsches ausdenkt, in unserem Fall Sauerstoffwasser, und dann der Forschung sagt: Hey, wir haben hier Sauerstoffwasser, erforscht die positiven Wirkungen! Was spricht, abgesehen von der Neuerungsgeilheit mancher Werbeleute, dagegen, den Nutzen zuerst erforschen zu lassen? So, wie das mit dem Sauerstoffwasser derzeit passiert, verkauft man etwas als wissenschaftlich belegt, das es eigentlich gar nicht ist (und vielleicht nie wird).
2. Sie schreiben hier auf der einen Seite, dass sie die Ergebnisse der noch laufenden Studien nicht veröffentlichen können. Auf der anderen Seite bieten Sie (durchaus großzügig) an, dass weitere Fragen an Prof. Adam weitergeleitet werden könnten. Nun, meine Fragen würden sich selbstverständlich auf die Ergebnisse konzentrieren, denn nichts anderes ist wirklich aussagekräftig. Am Schluss bleibt immer noch zu klären, ob Sauerstoffwasser nun tatsächlich einen positiven Effekt (Und wenn ja: welchen? Und warum ist das positiv?) auf den Konsumenten (und das sind beileibe nicht nur Extremsportler) hat oder ob das nur eine Marketingidee war. Verstehen Sie das Problem?
3. Prof. Marktl hat in der oben zitierten Studie einen Effekt (nur) bei Extremsportlern feststellen können, dessen Nutzen ihm anscheinend nicht so richtig ersichtlich war (keine Leistungssteigerung). Anders formuliert: es bewirkt (nur bei Hochleistungssportlern) etwas, aber wir haben keinen Plan, wofür das gut sein könnte.
Aber genug der Studien, gehen wir weiter zur Medizin. Sie schreiben, dass der Sauerstoff den Blutdruck in den Venen erhöht (dass sich der Sauerstoff beim durch die Interzellularräume diffundieren genau die Venen aussucht und nicht beispielsweise auch in anderen Blutgefäßen oder Organen landet, sei mal so dahin gestellt) und dadurch ein besserer und schnellerer Transport von Nährstoffen gewährleistet werden kann. Inwieweit man davon als Konsument profitiert, dass im körpereigenen Niederdrucksystem der Venen plötzlich eine Druckerhöhung stattfindet und dadurch die Nährstoffe nur so durch die Leber fetzen, diese Erklärung bleiben Sie uns schuldig. Weil es nämlich noch keine gibt, die Studien…
Noch ein Wort zu den anderen Medien, die sie im Beitrag weiter oben kritisiert haben. Sie bemängelten unter anderem die mangelnde Auskunftseinholung beim Hersteller. Ich weiß nicht welche Schreiberlinge sich sonst noch mit dem Thema beschäftigt haben, mit Sicherheit hat das neben der (durchaus seriösen) Stiftung Warentest (die übrigens zum gleichen Ergebnis wie ich hier kommt) auch das österreichische Pendant dazu: der Verein für Konsumenteninformation. Der Konsument (das zugehörige Magazin) hat die Nachforschungen aufgegeben, weil die Auskunft von Seiten der Hersteller wohl recht dürftig ausgefallen und den dortigen Schreiberlingen bar jeglichem Beweis erschienen ist.
Sicherlich werde ich Sie nicht von Ihrem Standpunkt abbringen können (wer beißt denn schon die Hand, die ihn füttert?), aber aus meiner Sicht zeigt die Diskussion hier vor allem, dass auf diesem Gebiet noch ein sehr hoher wissenschaftlicher Aufklärungsbedarf besteht, ehe man der Sache tatsächlich Glauben schenken kann. Bis dahin ist das Thema eigentlich (entgegen Ihrer Ansicht) sehr einfach: nicht glauben, bis ein tatsächlicher Beweis erfolgt. Aber ich bin ja auch Atheist.
Beste Grüße,
Martin
Am 16. Juli 2007 um 20:08 Uhr
Entschuldigen Sie, Herr Ulmer, da habe ich Sie wohl verwechselt. Muss an der Hitze liegen…
Wie schon oben erwähnt, kann ich Ihnen zu den Studien aktuell einfach nicht mehr sagen als ich getan habe. Das liegt einerseits an den oben erwähnten Veränderungen in der EU-Gesetzgebung, aber auch an der Regulierung von Werbung mit gesundheitlichen Wirkungen von Produkten. Ich bin mir nicht sicher, ob im Zweifelsfall Äußerungen von mir in einem Weblog als Werbung oder Kommunikation eines Unternehmens gewertet werden könnten. Das tut mir leid, aber ich hoffe, Sie verstehen das.
Ich habe Ihnen den Kontakt zu Professor Adam angeboten, weil er sich erstens mit der medizinischen Seite wesentlich besser auskennt als ich (ich bin kein Mediziner) und zweitens würde diese Information nicht den rechtlichen Restriktionen bzgl. Werbung unterliegen. Hier könnte es dann rein um die Sache gehen.
Weder die Stiftung Warentest, noch der österreichische Konsument haben bei uns recherchiert – so weit ich den “Konsument” in Erinnerung hatte, ging es da auch schwerpunktmäßig um einen Konkurrenzprodukt. Das Einzige, was ich mir wünschen würde, wäre die Aussage, dass es zu dem Thema unterschiedliche Meinungen gibt – von mir aus auch, dass die Wirkung umstritten ist. Aber es gibt eben unterschiedliche Meinungen – nicht nur eine.
Ob Sie meinen Darstellungen folgen und was Sie daraus ableiten, bleibt selbstverständlich Ihnen überlassen. Ich kann Ihnen nur den Kontakt zu Prof. Adam anbieten und mich weiterhin fragen, ob man als PRler in einem Blog Siezen oder Duzen sollte – und ob man besser mit oder Ohne Anrede und Grußformel formuliert – aber das ist sicher nicht so wichtig…
Viele Grüße,
Christian Bölling
Am 17. Juli 2007 um 16:09 Uhr
Zu Ihrer Frage bezüglich Anrede und dergleichen:
Meiner Meinung nach gehört sich das “Sie” in dem Moment, in dem man sich als PRler oder was auch immer zu erkennen gibt. Im Internet herrscht ja grundsätzlich eine gewisse Anonymität, die auch gut so ist. Sobald aber eine Komponente dazu tritt, die mehr als nur einen Namen zu erkennen gibt, sollten die normalen Regeln des Anstandes gelten.
Die Grußform am Anfang kann man machen wie es beliebt. Am Ende finde ich wieder, dass sie sich gehört, wenn man sich zu “erkennen” gibt.
anna
Am 17. Juli 2007 um 17:47 Uhr
Oje Herr Bölling, da sind sie gestern wohl eines meiner Opfer im Hitzerausch geworden, ist etwas schärfer ausgefallen, als ich das eigentlich wollte.
Ebenso muss ich mich für die Bezugnahme auf den Konsument entschuldigen, da handelt es sich tatsächlich hauptsächlich um ein Konkurrenzprodukt (O2 ist derzeit anscheinend sehr beliebt). Dass die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bei ActiveO2 besser klappt sieht man ja sehr beispielhaft anhand ihrer Kommentare.
Gerne können sie meine Fragen an Prof. Adam weiterleiten, ich fasse sie noch einmal zusammen:
1. Inwiefern wirkt sich Sauerstoff, der durch den Magen in unseren Organismus gelangt, auf unseren Körper aus?
2. Gibt es überhaupt nachweisbare positive Effekte auf den Organismus und die Gesundheit durch den Konsum von Sauerstoffwasser? Wenn ja: welche?
3. Wir haben von besserem Nährstofftransport und höherem Blutdruck in den Venen, speziell auch in der Leber, gehört, was haben wir effektiv tatsächlich davon? Was bringt das an Vorteilen für die Gesundheit?
4. Wir haben von venösem Blut gehört, das gewissermaßen durch Sauerstoff aus dem Magen angereichert werden soll. Ist es nicht so, dass der Sauerstoff durch jegliche interzellulären Räume diffundiert und sich deswegen wohl auch in anderen Organen, etc. verteilen und nicht nur in den Venen sammeln wird?
Ehrlich gesagt, Herr Bölling, glaube ich aber, dass die Weiterleitung der Fragen gar nicht mehr nötig sein wird, wir haben nämlich schon einen gewissen Konsens gefunden, der dem, den Sie sich wünschen unglaublich ähnelt. Lassen Sie mich die Sache nochmals umreißen: Es gibt in dieser Angelegenheit mehrere Meinungen. Ich gehöre der Gruppe jener Menschen an, die gerne hinterfragen, die wissenschaftliche Beweise brauchen, um etwas Glauben zu schenken. Diese Gruppe wird derzeit von vielen Experten und unter anderem auch durch die Studie von Prof. Marktl unterstützt, die weiter oben schon erwähnt wurde. Dann gibt es noch eine zweite Gruppe, der die Hersteller, viele Konsumenten und sicher auch einige Wissenschaftler angehören. Diese Gruppe von Leuten hat, ganz im Gegensatz zu den Erstgenannten, noch keine wissenschaftlichen Beweise, glaubt aber fest an die Existenz. Sie sehen: ich bin mir durchaus auch anderer Ansichten bewusst, nur glauben kann ich sie nicht so einfach.
Vor ein paar Hundert Jahren noch glaubte die Menschheit, dass die Erde eine Scheibe sei. Heute wissen wir dank der Astronomie, dass dem keineswegs so ist. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse werden tagtäglich gewonnen, sie verändern unsere Welt und unsere Ansichten, deshalb lassen Sie sich an dieser Stelle gesagt sein: Sollte sich in Zukunft herausstellen, dass ich an dieser Stelle falsch lag und die ganze Sache nicht nur Marketing-Blabla war, so wird es mir ein großes Vergnügen sein, meinen Irrtum in Form einer Richtigstellung, wie gerade unlängst hier auch schon eine erschienen ist, zu korrigieren. Halten Sie mich auf dem Laufenden.
Übrigens: Ich schreibe hier nicht umsonst nur unter meinem Vornamen, deswegen könnte ich wohl keinem böse sein, der mich auf Anhieb duzt, zumal das unter Bloggern (der Sie ja auch einer sind) sowieso Gang und Gäbe zu sein scheint. Ich schätze gerade in geschäftlicher Korrespondenz aber durchaus die Höflichkeitsform. Sie halten irgendwo dazwischen, mit Siezen sind Sie wahrscheinlich generell auf der sichereren Seite, auch wenn das für einige Blogger wohl etwas bedrohlich klingen mag. Mir ist es eigentlich egal, Sie können mich ruhig duzen, wenn Ihnen dabei wohler ist. Ich werde Sie als PRler eines Produkts, das ich hier kritisiere trotzdem weiterhin siezen, weil mit der Sprache auch ein Stück Höflichkeit kommt, die ich für dringend nötig empfinde.
Ihr letzter Kommentar war um 20:08 Uhr. Arbeiten Sie noch so spät? Sie sollten sich bei dieser Hitze lieber einen See suchen…
Beste Grüße nach München,
Martin
Am 18. Juli 2007 um 01:51 Uhr
Aktiver Sauerstoff…
Mein Blog hat zwar keine sehr große Reichweite, trotzdem möchte ich gerne auf den Artikel Der Powerstoff mit Sauerstoff im Blog Werbewahn.net zum Thema Active O2 aufmerksam machen.
Für alle, die sich jetzt am Kopf kratzen und laut denken:
“H…
Am 23. Juli 2007 um 11:27 Uhr
Alles klar. Habe Ihren Rat (“lieber einen See suchen”) beherzigt…
Gruß zurück.
Christian Bölling
Am 24. Juli 2007 um 13:59 Uhr
Ich verstehe, warum sich der Sauerstoff gerade in die Venen bewegt. Es hat etwas damit zu tun, dass das Blut in den Venen zu den sauerstoffärmsten Substanzen im Körper gehört. Der Sauerstoff strebt danach, sich gleichmäßig zu verteilen. Für ein Sauerstoffmolekül sind die Zellen ein solches Hindernis, wie für uns Menschen die Bäume in der Savanne. Das führt zwangsläufig dazu, dass sich der Sauerstoff in die Venen bewegt. Aber diese führen das Blut ohnehin keinen Organen mehr zu, die dann Sauerstoff daraus benötigen. Vielmehr bewegt es sich in die Lungen und wird dort noch einmal angereichert.
Der Effekt ist also klar und klingt meiner Meinung nach auch einleuchtend. Aber der Nutzen ist – wie gesagt – umstritten. Noch einmal vielen Dank für die anregende Diskussion. Das sollte viel öfter der Fall sein!
Grüße aus Wien
Phillip
Am 29. Juli 2007 um 13:17 Uhr
[...] will hier gar nicht über die Tatsache sprechen, dass mehr Sauerstoff im Wasser ist (das wurde hier schon zur Genüge getan). Mich fasziniert viel mehr, dass in der Werbung ein Wassertropfen auf [...]
Am 29. Juli 2007 um 19:42 Uhr
Durch Zufall bin ich auf diesen Blog gestossen. Bislang hielt ich “den Powerstoff mit Sauerstoff” auch nur für einen Werbegag. Im Urlaub habe ich das erste Mal Active O2 probiert, und auch nur deswegen, weil es an der Tankstelle kein anderes Mineralwasser ohne Kohlensäure gab. Ich glaube nach wie vor nicht, dass der Sauerstoff im Wasser einen positiven Effekt auf die Gesundheit oder Leistungsfähigkeit hat. Allerdings habe ich bemerkt, dass ich von diesem Wasser wesentlich mehr trinke bzw. trinken kann als von anderen Mineralwässern (z.B. auch vom herkömmlichen Adelholzener). Kaum geöffnet ist auch schon mindestens die halbe Flasche leer. Ob das jetzt am Sauerstoff liegt kann ich auch nicht sagen. Aber da die meisten (ich auch) zu wenig trinken (ausser Kaffee) werde ich auf jeden Fall bei Active O2 bleiben.
Am 31. Juli 2007 um 23:21 Uhr
WAS HEISST HIER BITTE “ICH HALTE ES NUR FÜR EINEN WERBEGAG”???
SCHON JEMALS EINE WERBUNG GESEHN DIE KEIN GAG IST?
SEID DOCH NICHT SO NAIV… EGAL OB O2-REICHES WASSER NUN WIRKT ODER NICHT – DASS ES NUR DEM GELDERWERB DIENT, IST SCHON DARAN ERSICHTLICH, DASS DAFÜR IM FERNSEHN GEWORBEN WIRD (DAS BEDEUTET ES IST NE MENGE GELD IM SPIEL)
ALSO MEIN VORSCHLAG:
KAUFT DIESEN SCHEISS NICHT, IHR WERDET AUCH OHNE IHN ÜBERLEBEN, SO WIE BISHER AUCH……
Am 31. Juli 2007 um 23:52 Uhr
ACHJA EINS NOCH:
DIESE SEITE BESCHÄFTIGT SICH NICHT MIT WISSENSCHAFTLICHEN WERBEINHALTEN SONDERN MIT WERBEWAHN – ALSO, DAS THEMA IST NICHT DIE SACHE MIT DEM SAUERSTOFF, SONDERN DIE FRAGE OB ES ZULÄSSIG IST, BEWUSST AUSZUNUTZEN, DASS DIE AHNUNGSLOSE ZIELGRUPPE NICHT ZWISCHEN LUNGE UND MAGEN UNTERSCHEIDEN KANN……….
ALSO, LEUTE, WER HAT WAS DAZU ZU SAGEN?
Am 2. August 2007 um 01:49 Uhr
Ich habe was dazu zu sagen.
Erstens finde ich es sehr begrüßenswert, dass es offensichtlich auch Leser gibt, die sich emotional mit der Materie auseinandersetzen.
Zweitens glaube ich nicht, dass die REINE VERWENDUNG VON GROSSBUCHSTABEN deiner Aussage ein Plus and Leserlichkeit, Verständlichkeit oder gar Glaubwürdigkeit verleiht.
Drittens heißt die Seite “Werbewahn”. Wenn wir aber nur über Werbewahn schreiben würden, dann wäre unsere Sicht der Dinge recht beschränkt und würde sämtliche gewinnorientierte Arten der Produktbekanntmachung in die Ecke “Wahn” und somit in ein rein negatives Licht rücken. Da das aber weder unsere Absicht noch mögliche Grundlage eines Blogs mit niveau ist, behalten wir uns das Recht vor, frei nach Laune zu schreiben. Werbung ist kein Wahn sondern eine sehr durchdachte Sache – weitgehend zumindest, schwarze Schafe gibt es überall. Zielscheibe unserer Beiträge sind nicht nur idiotische Werbespots.
Wir versuchen, Lügen, Halbwahrheiten und Abzockangebote aufzudecken. Wenn wir eine Werbung einfach lächerlich finden, dann sagen wir das auch mal so aus dem Bauch heraus. Aber wenn eine Werbung gut ist, dann respektieren wir das und stehen auch dazu.
Werbung ist nichts rein Schlechtes. Jedes Produkt muss zuerst in die Köpfe der Konsumenten, bevor es im Einkaufsbeutel landet. Speziel in einer Konsumgemeinschaft, in der jede Lücke schon von teils duzenden Anbietern und Marken besetzt ist, lässt sich ein neues Produkt kaum durchsetzen. Selbst wenn es qualitativ hochwertiger oder preislich günstiger ist, wird der Konsument in der Regel bei seinem gewohnten Produkt bleiben und ein neues gar nicht erst anrühren. Damit es aber nicht so ist, gibt es die Werbung.
Werbung für ein Produkt zu machen und einen bekannten Namen zu etablieren ist auch etwas, woran sich Leute mit wirklich schlechten Produkten nicht heranwagen sollten. Wer ein schlechtes aber bekanntes Produkt hat, ist schneller aus den Regalen verbannt als ein schlechtes No-Name-Produkt. Schlechte Presse und Mundpropaganda werden sofort mit dem jeweiligen Artikel verbunden. Man kann also zu einem gewissen Grad davon ausgehen, dass groß angelegte Werbekampagnen nicht einfach Lügen und Betrügen. Leider geschieht dies dennoch von Zeit zu Zeit.
Viertens hättest du genau so gut die Schreierei sparen können, wenn du dir Punkt 1, 2 und 3 unserer F.A.Q. durchgelesen hättest.
Mit freundlichen Grüßen aus Lustenau
Phillip
Am 2. August 2007 um 01:58 Uhr
Fünftens: Wenn uns schon von Leuten, die sich offensichtlich kein Bisschen mit unseren Motiven auseinandergesetzt haben, gesagt wird, dass wir uns nicht mit Wissenschaft beschäftigen (Was wir sehr wohl tun!), warum sollten wir uns dann mit juristischen Belangen herumschlagen?
Sechstens würde mich interessieren, wie du Werbegag definierst.
Siebtens brauchst du uns wohl kaum zu sagen, dass es nur dem Gelderwerb dient. Das ergibt sich schon aus der Tatsache, dass es Werbung ist.
Achtens sind wir nicht naiv, denn sonst wäre dieser Beitrag nie zustande gekommen oder die Diskussion spätestens nach dem ersten Beitrag von Herr Böllig beendet gewesen.
Neuntens frage ich mich, warum ich mein Kommentar unter “Schon wieder Actimel” bearbeiten kann, nicht aber das, das über diesem hier steht.
Zehntens bin ich hundemüde und will jetzt zu meinem Schatz ins Bett.
Elftens bin ich sehr gespannt auf deine Antwort.
Nochmal mit freundlichen Grüßen aus Lustenau
Phillip
P.S. Noch was dazu zu sagen?
Am 2. August 2007 um 16:00 Uhr
@ erstens:
ich glaube emotional sind wir hier alle… und das ist auch gut so… bin ich auch deiner meinung
@ zweitens:
es ist ja gerade das tolle an schriftlicher kommunikation, dass man sich auferksamkeit verschaffen kann OHNE zu schreien, ich liebe das…
@drittens:
verstehe nicht ganz, inwiefern du dich hier auf meinen beitrag beziehst, kann nur sagen dass ich ganz deiner meinung bin… aber dass diese O2-geschichte keine akzeptable art von werbung ist, darüber sind sich hier ja die meisten einig
@viertens:
mit meinem beitrag wollte ich euch nicht vorschreiben, wozu eure seite dienen soll. ich wollte nur darauf hinweisen, dass bei dieser art der werbung nicht der sachliche inhalt das problem ist (egal ob der inhalt nun stimmt oder nicht), sondern viel mehr die werbe-ethischen verbrechen , die meiner meinung nach begangen werden (gibt es so was wie werbeethik überhaupt???… wahrscheinlcih nicht)… denn wie gesagt glaube ich dass die konsumenten bei dieser werbung einfach ausgenutzt werden… siehe methoden der werbepsychologie (die meiner meinung nach rechtlich viel schärfer begrenzt werden sollten)
@fünftens:
ich hab ja nicht gesagt (gemeint), dass ohr euch nicht mit wissenschaft beschäftigt, ich will nur darauf hinweisen, dass eine wisseschaftliche diskussion in diesem bereich sinnlos ist! (s. viertens)
@sechstens:
“gag” habe ich hier bezogen auf alles was in der werbung eher unecht ist … und das ist doch so ziemlich alles… da muss man sich einig sein… und das wird ja auch wohl niemand aus der werbeindustrie leugnen… so funktioniert das eben… ich wollte also betonen, dass man nicht zwischen “gag” und “werbung” unterscheiden sollte, weil ja letztendlich alle werbung ” gag” ist…
@siebtens:
es ist wohl doch notwendig, euch das zu sagen (siehe achtens!)
@achtens:
natürlich seid ihr naiv… hier auf eine wissenschaftliche diskussion über o2-wasser einzusteigen bedeutet ja dass ihr es für möglich haltet, dass in einer fernsehwerbung (s. viel geld!!!) sachliche inhalte eine rolle spielen…
PS: es macht mir eben spaß zu schreiben… ist ja letztendlich doch nur ein blog… i like it
Am 2. August 2007 um 19:57 Uhr
Hört auf hier die Diskussion über Sauerstoffwasser zu shreddern. Wenn ihr über die Sinnhaftigkeit, das Thema oder die Orientierung des Blogs diskutieren wollt, dann bietet das Forum einen hervorragenden Platz dafür, nicht aber Kommentare, die lediglich den Beitragsinhalt zum Thema haben.
Ich werde mal eine Nacht drüber schlafen, ich behalte mir an dieser Stelle aber ausnahmsweise im Sinne der Leserlichkeit und Beibehaltung des Themas Modifikationen und Löschungen obiger Kommentare vor.
Am 2. August 2007 um 22:00 Uhr
@martin: ich denke es ist doch durchaus zulässig und sinnvoll, auf bisherige kommentare stellung zu nehmen, auch wenn das bedeutet dass man deren sinnhaftigkeit in frage stellt…
löschen wäre nicht im sinne einer offenen diskussion
Am 3. August 2007 um 13:24 Uhr
So klingt das doch schon viel besser
In deinem ersten Beitrag kam das leider nicht so sachlich und durchdacht rüber.
Noch zur O2-Werbung:
Den wissenschaftlichen Hintergrund zu diskutieren halte ich an dieser Stelle sehr wohl für sinnvoll. Immerhin beruft sich die Werbung ja auf einen solchen. Dass das Wasser ganz nutzlos, lässt sich eben so wenig beweisen wie dessen Nutzen. Von daher ist das Zusammentragen von Studien und Beweisen für das Eine oder das Andere durchaus berechtigt.
Es ist ja nicht in unserem Sinne, komplett an der Aussage der Werbung vorbeizuschreiben. Selbst in einem Werbespot sind immer gewisse Argumente für ein Produkt impliziert. Auf diese versuchen wir auf jeden Fall bis zu einem gewissen Grad einzugehen. Das ermöglicht erst so eine Diskussionen wie oben, die ja doch nicht uninteressant ist.
Ob das nun irgendwohin führt oder auch nicht kann man im Vorhinein schlecht sagen. Wir wollen ja die Produkte nicht niedermachen. In erster Linie schreiben wir aus Spass und Interesse. Und das soll auch so bleiben.
Aber ich denke Martin hat recht, wir sollten die Diskussion hier nicht entführen. Der Admin hat gesprochen
Falls du zu O2 noch mehr zu sagen hast, dann tob’ dich hier aus, aber sonst gibt’s das Forum.
Herzliche Grüße, diesmal wieder aus Wien, das variiert momentan etwas…
Phillip
Am 3. August 2007 um 20:38 Uhr
was meinst du mit “das eine oder andere”? ich berufe mich in diesem punkt nach wie vor auf @fünftens (s.o.)
nein, über o2 hab ich nichts mehr zu sagen, aber wir reden ja nicht über o2 sondern über die o2-werbung… siehe wieder @fünftens
PS ich warte nach wie vor auf einen kommentar bezüglich meiner “werbe-moral”-sache… hier liegt meiner meinung nach der schlüssel
(auch eine reaktion von PR-berater Bölling wäre nicht uninteressant! denn er weiß bestimmt genau so wie wir, dass der grund für die herstellung von 02-wasser nicht ein medizinischer ist, sondern das geld… ich verweise wieder auf werbepsychologie… wer sich mit diesem fachgebiet beschäftigt, weiß
Am 3. August 2007 um 20:41 Uhr
was meinst du mit “das eine oder andere”? ich berufe mich in diesem punkt nach wie vor auf @fünftens (s.o.)
nein, über o2 hab ich nichts mehr zu sagen, aber wir reden ja nicht über o2 sondern über die o2-werbung… siehe wieder @fünftens
PS ich warte nach wie vor auf einen kommentar bezüglich meiner “werbe-moral”-sache… hier liegt meiner meinung nach der schlüssel
(auch eine reaktion von PR-berater Bölling wäre nicht uninteressant! denn er weiß bestimmt genau so wie wir, dass der grund für die herstellung von 02-wasser nicht ein medizinischer ist, sondern das geld… ich verweise wieder auf werbepsychologie… wer sich mit diesem fachgebiet beschäftigt, weiß dass SACHLICHE ASPEKTE in der werbung lediglich ein MITTEL zum zweck sind)
ich verstehe nicht wieso hier niemand gern auf meine neuen ansätze eingehen will…
Am 3. August 2007 um 20:42 Uhr
(sorry, zu früh abgesendet…)
Am 4. August 2007 um 16:28 Uhr
Mit “das Eine oder das Andere” meinte ich eigentlich Argumente, welche die Aussage der Werbung unterstützen oder eben widerlegen. Selbst wenn es erstere auf den ersten Blick nicht zu geben scheint, so war es doch interessant, einmal die ‘andere Seite’ zu hören.
Die Sache mit der Moral… hm… das ist in der Tat ein guter Punkt. Tut mir leid, dass ich den so kläglich vernachlässigt habe in meinem letzten Post. Was Herr Bölling dazu zu sagen hätte, weiß ich nicht, aber wahrscheinlich würde er kaum so etwas sagen wie: “Ja, das ist wirklich unfair, aber wir nützen halt den schlechten Bildungsstandard aus.” Als PR-Berater dieser Firma kann er bis zu einem gewissen (lies: zweckdienlichen) Grad sachlich bleiben, aber alles, was zu weit ginge, würde wahrscheinlich seinen Job gefährden. Leute auf die Straße zu setzen ist nun wirklich nicht das Ziel unseres Blogs.
Sicherlich ist es eine himmelschreiende Frechheit, wenn Werbung mit einem auf den ersten Blick harmlosen “Gag” auf das nichtwissen der potenziellen Kunden abzielt, um diese zum Kauf eines Produktes zu bewegen. Ihnen dann auch noch Glauben zu machen, das Produkt helfe wirklich gegen oder bei irgendwas, obwohl das nicht der Fall ist (oder auch einfach nicht nachweisbar) ist eine sehr zweifelhafte Methode. Wenn ich dich richtig verstehe, schiebst du die Active-O2-Kampagne in Richtung irreführende Werbung, welche ja an sich verboten ist. Das ist nicht ganz unberechtigt, wie ich auch finde.
Der übergang zwischen normaler und irreführender Werbung ist leider sehr fließend. Alleine hier auf dieser Seite hatten wir bestimmt schon mehrere verschiedene Abstufungen dazwischen, die sich nicht genau einordnen ließen. Das wirklich traurige daran ist, dass so viele Werber genau in diese Kerbe schlagen. Statt Aufklärung und rationalen Argumenten – oft einfach aus einem Mangel an solchen – setzen sie auf Verwirrung, Irreführung oder gar Halbwahrheiten und Lügen, um die Gunst der Kunden zu erwerben. Dass sie das nötig haben kann als Armutszeugnis für ihre Produkte ausgelegt werden.
Ich denke einer der Gründe, warum der moralische Aspekt bei uns oft zu kurz kommt (schließlich passt diese Fragestellung wohl zu den meisten Werbekampagnen, die wir hier bisher auf die Schippe genommen haben), ist schlicht und ergreifend sein häufiges Auftreten. Wenn wir bei jedem Artikel noch einen moralischen Diskurs führten, dann wären zumindest Teile fast aller unserer Beiträge nahezu identisch.
Ob nun die Active-O2-Kampagne einen Höhepunkt in Sachen Un-Moral darstelst oder nicht, wage ich nicht zu behaupten. Ich finde beispielsweise die Actimel-Werbung, laut der das Abwehrsystem dreifach geschützt wird, kaum weniger fragwürdig in dieser Hinsicht. Wenn man sämtliche Waschmittelwerbungen ansieht, so wäscht jedes Perfekt rein – mit ausnahme aller anderen natürlich. So witzig dieser Widerspruch auch klingt, sein Ursprung ist ebenfalls eine blanke Lüge. Dann gibt es noch Fälle wie diesen, wo durch das Erfinden absolut sinnfreier Ausdrücke Fachkompetenz vorgegaukelt wird. Auch das ist meiner Meinung nach nicht weniger verwerflich.
Wenn man diese Thematik also ansprechen wollte, so müsste man alle Beiträge noch einmal durchgehen und eben nach solchen irreführenden Inhalten durchsuchen. Vielleicht überkommt es mich einmal und ich tue das, das wäre nämlich Stoff für einen kompletten und nicht gerade kurzen eigenen Beitrag und eine noch längere Diskussion. Sollte das irgendwann in nächster Zeit passieren, dann bist du herzlich eingeladen, wieder mitzudiskutieren.
Um meine skriptomanischen Ergüsse auf eine Aussage zu reduzieren: Du hast recht, es ist moralisch mehr als Fragwürdig, Kunden mit solchen Botschaften zu locken. Das Thema kommt bei uns etwas kurz und es zu beleuchten wäre wohl sehr aufwändig aber auch ergiebig. Das wird auch geschehen, sobald sich einer von uns dazu durchringen kann.
Herzliche Grüße, diese Mal wieder aus Lustenau
Phillip
Am 8. August 2007 um 21:40 Uhr
Hallo Nick,
hallo Phillip,
jetzt nenne ich Sie beim Vornamen, weil ich Ihre Nachnamen nicht habe. Sie dürfen mich als “Retourkutsche” auch Christian nennen.
Die Ethik der Werbung ist ein weites Feld. Mit der beschäftigt man sich natürlich auch, wenn man in diese Branche geht.
Ich sehe das so: Die Werbung informiert den Verbraucher über diejenigen Argumente, die für ihn kaufentscheidend sind. Auf den ersten Blick mag man zwar meinen, dass z.B. tolle Landschaftsbilder nichts mit der Substanz eines Autos (als neutrales Beispiel) zu tun haben. Das stimmt aber nicht. Autos verkaufen sich eben auch, weil sie ein Image haben. Sachliche Argumente würden ja z.B. den hohen Preis eines Mini nicht rechtfertigen. Der Kunde will bestimmtes Image und die Werbung sagt ihm: Hier hast Du, was Du willst.
Ganz ähnlich ist es bei Active O2. Bei Getränken ist der wichtiste Kaufgrund immer der Geschmack. Active O2 als Wasser und in zahlreichen Geschmacksrichtungen schmeckt den Leuten. Erst dann kommen die anderen Vorteile: Die Flasche ist sehr praktisch – sie passt in die Fahrradflaschenhalter und der Verschluss ist beim Sport oder unterwegs mit einer Hand zu öffnen. Und dann ist da noch der Sauerstoff, über den es geteilte (aber wie oben erwähnt) nicht nur eine Meinung(en) gibt. Und genau das sind die Themen der Active O2-Werbung.
Jetzt sagen Sie – wenn ich Sie richtig verstanden habe – das Problem sei, dass Active O2 ein Marketing-Gag sei. Das Produkt werde nicht aus gesundheitlichen Gründen, sondern aufgrund von Marketing-Überlegungen hergestellt. Nennen Sie mir bitte ein Produkt, das nicht aufgrund von Marketing-Überlegungen angeboten wird. Ein Produkt wird hergestellt, damit es verkauft werden kann. Was ist schlimm daran? Für mich wird andersrum ein Schuh draus: Das Produkt wird nämlich verkauft, weil die Kunden es haben wollen. Angebot und Nachfrage eben. Ein ganz normaler Vorgang.
Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend!
Christian (Bölling)
Am 20. September 2007 um 20:51 Uhr
Naja, auch von Sauerstoff kann man rülpsen. Das dürfte im besten Falle der einzige Effekt sein.
Am 29. September 2007 um 12:40 Uhr
[...] gerade ziemlich in Mode, deswegen pappt man ihn auch überall hinein: in Waschmittel, Wasser, etc. – die Suchfunktion dieses Blogs bringt noch mehr Produkte [...]
Am 26. August 2011 um 13:41 Uhr
Also ich trink das Zeug immer am Tag nachdem ich des Abends zuvor etwas mehr Alkohol zu mir genommen habe – und ich muß sagen das Zeug wirkt wahre Wunder !!!
Ich bin sehr viel schneller wieder voll auf dem Damm – wie ohne eine Flasche O2 .
Und das habe ich jetzt schon mehr als einmal getestet.
(und ich bin kein PR-Mann der hier Webung machen will )