Mit V wie Flügel
Man kann darüber diskutieren, ob jemand, der sich erst noch nur ein Fahrrad leisten kann so einfach und sofort einen Kredit für einen neuen Sportflitzer bekommen wird, mit dem er dann zwei hübsche (?) Mädchen verfolgen kann. Man kann auch darüber diskutieren, ob man sich das Auto nur vorstellen (“den Traum einfangen”) muss und dass es sich dann aus lauter seltsamen, flatternden Vs (Logos) zusammensetzt, die beim Beschleunigen des Autos fast wieder auseinanderfliegen, aber solch realistische Szenarien sind wir von der Werbewelt ja schon gewohnt.
Nicht diskutieren hingegen kann man über den Werbespruch dieses Volksbank-Spots: “Volksbank. Mit V wie Flügel.” Der Gedanke dahinter leuchtet noch irgendwo ein: man will Aufbruchsstimmung vermitteln, eben beflügeln – aber zu welchem Preis?
- Zum einen wäre da die Vorbildwirkung, die man komplett vernachlässigt hat. Ich warte ja nur auf die Schlagzeile, in der sich Lehrer darüber echauffieren, dass Volksschüler beim Diktat plötzlich Vlügel bekommen, weil Fernsehen und Radio ja unbestritten Lernwirkung haben. Vogel-V hat ausgedient, ab sofort gibt es Vlügel-V! Ein großes Vorbild will man für junge Sparer wohl nicht sein. Sparbücher sind meines Wissens eh out. Oder man hat darüber einfach kein bisschen nachgedacht.
- Flügel sind ausgelutscht. Red Bull verleiht welche, bei der Generali steht man unter solchen (“des Löwen”) und jede Menge Fluglinien beflügeln und fliegen dabei sogar wirklich. Und das sind noch lange nicht alle.
- Früher war der Volksbank-Slogan “Vertrauen verbindet”. Wie kann ich als seriöser Kunde jemandem vertrauen, der fundamentale Rechtschreibregeln missachtet? Gut, ist nur eine Kampagne – ich als ehemaliger Kunde kann aus eigener Erfahrung aber durchaus sagen, dass solche Rechtschreibböcke auch im täglichen Schriftverkehr geschossen werden (oder zumindest: wurden). Ich für meinen Teil vertraue mein Geld jedenfalls lieber jemandem an, der zwar nicht fliegen, dafür aber schreiben kann.
Der Marketingmanager der Volksbank-Gruppe meinte zur neuen Kampagne:
“Wir haben es geschafft, eine voll integrierte Kampagne zu kreieren, die unsere Kunden nachhaltig beflügelt und für frischen Wind in allen Bereichen unseres Unternehmens sorgen wird.”
Hoffen wir, dass der frische Wind im Unternehmen nicht durch den Geruch von plötzlich oral ejakulierter Magensäure rechtschreibbewusster Mitarbeiter und Kunden mit Flugproblemen übertüncht wird.

Lesezeichen





Am 20. Februar 2008 um 20:20 Uhr
Volksbank, mit V wie vögeln. Das dachte ich mir sofort beim neuesten Volksbank-Werbespot (der mit dem Kind auf der Schaukel am Schluß)
Am 25. April 2008 um 20:48 Uhr
ich habe das auch so verstanden, wie Henry und fand den Spot spontan großartig.
Am 28. Dezember 2008 um 23:00 Uhr
also ich fin v wie flügel klasse
Am 27. Januar 2009 um 11:11 Uhr
[...] Nachgeholter Beitrag ca. 7 Tage im Verzug Ich könnte ja jetzt etwas daher plappern, von “V wie Flügel” oder so, wie unsere “Armen” Schispringer das müssen – die Deppen – tue ich aber [...]
Am 8. Juni 2011 um 17:08 Uhr
Die deutsche Rechtschreibung dürfte der Volksbank anscheinend nicht ein allzu groß besetzter Begriff sein…
“Mit V wie Flügel” = Vlügel
Am 15. Juni 2011 um 12:00 Uhr
Wer auch immer Carissas Kommentar verstanden hat, ist hiermit herzlich eingeladen, den Sinn in mir verständlichen Worten widerzugeben. Und ja, ich kann englisch, aber der größere Zusammenhang ist mir nicht klar, zumal der Link nicht existiert. Sonst hätte ich es wohl sofort als Spam identifiziert.
Am 10. Januar 2012 um 15:03 Uhr
V wie Flügel ist eine in der Werbepsychologie eine sogenannte “Verschiebung”. Verschiebungen sind kleine Änderungen, die Begehren schaffen sollen. D.h. vom werblichen Standpunkt aus absolut ok.
Außerdem steht im Slogan Flügel mit F. Für mich besteht keine große Gefahr, dass Kinder anfangen, Flügel mit V zu schreiben.
Am 10. Januar 2012 um 18:31 Uhr
Sind Sie, Herr SirWurscht, ein Beauftragter der Volksbank GmbH, oder sind Sie einfach nur von deren Werbungen begeistert?