Zu Tode geworben

Es gibt Werbungen, die sind… okay. Nicht so schlecht, dass sie eine Erwähnung in diesem Blog per se verdient hätten, aber auch nicht so gut, dass wir sie hier loben könnten. Eben durchschnittlich, großteils erträglich (wenn man denn Werbung überhaupt für erträglich halten kann), vielleicht ein bisschen seicht. Ich stelle mir das gerne als „Standard-Paket A“ der Werbeindustrie vor. Nicht spottbillig, aber auch nicht wahnsinnig teuer und eben einigermaßen brauchbar.

Dummerweise scheint es für genau dieses Paket gewisse Präsenzupgrades zu geben, mit denen man eben mehr potenzielle Kunden erreichen kann, indem die Werbung eben öfter ausgestrahlt, auf mehr Plakatwände geklebt oder sonst irgendwie penetranter gemacht wird. Diese Art der Aufdringlichkeitsupgrades kennt keine Grenzen, man kann sie zukaufen wie mehr Speicherplatz für Webspacepakete: endlos und solange die Finanzen es eben zulassen.

Von dieser Kombination („Standard-Paket A“ + Präsenzupgrades) machen viele Gebrauch: man spart gewissermaßen Geld bei der Produktion und korrigiert die Qualität scheinbar über die Quantität, indem man an der Präsenzschraube dreht. In gewissen Maßen mag das ja noch in Ordnung sein, aber viele überspannen den Bogen der allgemeinen Werbetoleranz genau mit diesen Quantitätsüberlegungen („Mehr Präsenz, mehr Verkäufe!“). Will heißen: durchschnittliche Werbung (und wahrscheinlich jegliche Werbung) bewirkt beim Konsumenten bei übermäßigem Vorkommen ab einem gewissen Punkt genau das Gegenteil dessen, was man eigentlich damit bezwecken wollte – sie fängt an zu nerven und führt dadurch schließlich zur Ablehnung des Produkts.

Diese Grenze der Erträglichkeit ist bei mir (und den meisten Menschen meines Umfelds) dann überschritten, wenn man die Werbung an jeder Ecke hängen sieht, sie in den 7 oder 8 Minuten Werbeunterbrechung im Abendprogramm gleich mehrmals sehen muss oder überhaupt einfach zuviel davon (das ist subjektiv, deswegen nicht genau definierbar) an den Konsumenten gelangt. Dieser Fehler passiert viel häufiger als man annimmt – derzeit gibt es 3 solche Werbungen, die in mir ein Gefühl des genervt seins auslösen. Als Beispiel sei für unsere deutschen Leser die Werbung von BASE (e+) erwähnt – Stichwort „Haaaaaallloooo Julia„, wer den Spot nicht kennt, der führe ihn sich alle paar Minuten zu Gemüte.

Deshalb, liebe Werbeleute, lasst euch gesagt sein: Qualität geht im Sinne der Risikominimierung bezüglich Ablehnung immer vor Quantität. Lieber mehr Geld für eine überdurchschnittliche Werbung, die einem in Erinnerung bleibt, ausgeben als danach bei der Häufigkeit nachbessern.

3 Reaktionen zu “Zu Tode geworben”

  1. Kiri

    Oh ja, die Werbung von Base kenn ich…leider.

    Ich glaube ich werde nie wieder ein Telefon in die Hand nehmen können, diese Werbung hat ein lebenslanges Trauma bei mir ausgelöst.

    Oh, muss weg. Telefon 😉

  2. Werbewahn - Wahnsinn aus der Welt der Werbung » E-Mail-Spam

    […] sämtliche Regeln gelungener Werbeversuche: man versendet viel (wozu das führen kann wissen wir ja bereits) und gibt sich meistens mit den Formulierungen im Mail noch nicht einmal richtig Mühe. Bestes […]

  3. Werbewahn » Lückenfüllung

    […] werden können, denen ein gewisses Maß an Aktualität immer zukommt. E-Mail-Spam oder Qualitätsfragen zum […]

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