Die Sache mit den Kügelchen
Kügelchen sind toll, besonders in der Werbung. Mit Kügelchen kann man vieles machen: man verpackt Waschpulver in ihnen (”Megaperls“), gibt ein paar davon in Zahnpasta (”Micro-Granuli“) oder auch in Hustensaft (”Mikroperlen“). Kügelchen sind universal einsetzbar und darüber hinaus auch ungeheuer beliebt beim Konsumenten. Was in Kügelchenform kommt muss neu und vor allem gut sein. Gerade wegen der Kügelchen, sonst wären sie ja nicht drin, oder?
Was die Verwendung in pharmazeutischen Produkten angeht bin ich zwiegespalten: Durch unterschiedlich große Kügelchen soll sowohl rasche Linderung als auch langanhaltende Behandlung eintreten. Das erscheint mir irgendwie logisch, auch wenn bisher Hustensaft in flüssiger Form genauso zu diesem Ergebnis geführt hat.
Bei der Zahnpasta habe ich schon weniger Verständnis: Wenn das wirklich so wahnsinnig mehr bewirken würde, wieso enthalten dann noch nicht alle Dentalprodukte diese Wunderkügelchen? Ausserdem gibt es die Zahngranulate gleich in zwei Ausführungen: Zerfallende und nicht zerfallende. Während die nicht zerfallenden Kügelchen für die Reinigung (ähnlich einem Radiergummi) zuständig sein sollen, so enthalten die zerfallenden angeblich besondere Wirkstoffe. Wieso gibt man die nicht einfach in die normale Zahnpasta? Na weil man dann keine (neuartigen!) Wirkstoffe, deren Wirkung (also den Zerfall) man sogar spürt, verkaufen kann.
Im Waschpulver leuchtet mir der Sinn von Kügelchen dagegen überhaupt nicht ein. Zumindest meine Waschmaschine (und wohl auch viele andere) holt sich am Anfang des Waschgangs das Wasser (je nach Beladung unterschiedlich viel), wäscht dann unter Einsatz des Waschmittels damit, saugt ab, spült die Wäsche mit frischem Wasser, saugt ab, schleudert (oder auch nicht), fertig. Wie jedem Normalsterblichen einleuchten wird löst sich Pulver wesentlich schneller im Wasser als etwaige Kügelchen. Kügelchen im Waschmittel lösen sich langsam, während die Maschine immer gleichlang wäscht. Die Folge ist eine verminderte Effizienz. Am effektivsten, wenn man diesem Gedankengang folgt, sind dann wohl Waschmittel in flüssiger Form, aber dort ist es wohl nur eine Frage der Zeit, bis irgendein kreativer Kopf wieder Kügelchen einmischt.
Mit Dank an Manuel fürs aufmerksam machen.

22.02.2007, 12:02 Uhr
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Am 22. Februar 2007 um 12:23 Uhr
Auch in der Kosmetik sind Kügelchen ganz beliebt, zum Beispiel bei Peelings oder Waschlotionen…
Am 22. Februar 2007 um 12:34 Uhr
Rein physikalich gesehen sollten Kügelchen eher schlecht sein, das Kugeln die kleinstmögliche Oberfläche im Verhältnis zum Volumen haben. Das bedeutet, der Wirkstoff kommt nicht “voll zum Einsatz”.
Am 22. Februar 2007 um 13:17 Uhr
Er kommt schon voll zum Einsatz. Nur weniger schnell
Am 22. Februar 2007 um 14:55 Uhr
Wenn die Microperlen nur eine geringe Wirkzeit haben, sogar beides
Am 23. Februar 2007 um 22:33 Uhr
Kügelchen gibt es überall, auch schon im Essen: Statt Flocken kippt man sich jetzt “Knusperballs” (sic!) in den Joghurt…
Am 24. Februar 2007 um 19:44 Uhr
In der Zahnpaste ist es wohl weniger der Radiergummi- als der Peelingeffekt. Sie reiben praktisch wie Sandpapier über den harten Zahnschmelz und erwischen auch hartnäckigen Schmutz.
Am 23. März 2007 um 10:27 Uhr
[...] Okay, das ist schwer zu widerlegen. Aber was dann? Schließlich sind die Megaperls schon durch, und Ultra ist [...]
Am 10. Juni 2008 um 11:11 Uhr
mein Freund meint Joghurt wäre gesund, weil er es wegen der Verdauung braucht, und isst dann Vanille-Sahne Joghurt mit Schoko-Mega-Pearls.
Dann kann er sich doch gleich Schokoladen reinstopfen….