Verbesserte Rezeptur

Jeder kennt die Aufschrift auf Produkten „Neue Rezeptur“ oder „Verbesserte Rezeptur“. Meist in schreiendem Rot und groß genug, dass es auch jeder sieht.

Zu meinem Leidwesen habe ich in den letzten Monaten bei zwei meiner Grundnahrungsmittel – nämlich Keksen und Müsli – die verbesserte Rezeptur kennen lernen müssen.

Natürlich denke ich mir, als treue Knüsperli-Müsli Esserin nichts böses und kaufe die Packung, die im Design fast nicht verändert wurde, jetzt aber statt nur noch „Croccante“ „Croccante plus“ genannt wird. Und dieses Plus an Croccante sind kleine Rechtecke, die wie Hundefutter aussehen, staubig schmecken und in mir keinerlei Erinnerungen an Krokant (wie es im deutschen heißt) aufrufen. Im Gegenteil. Nichts ahnend löffle ich das Müsli, vermischt mit Joghurt und zack, da war es. Direkt auf so einen Hundekeks trafen meine Zähne. Und dann die Explosion im Mund. Der pure Staub. Ich gebe ja zu, für viele Menschen ist Müsli sowieso nur Staub, aber dieses Plus an Krokant übertrifft wirklich alles. Nun will ich es aber wissen und hole mir so ein Ding direkt aus der Packung und esse es pur. Und wieder war es da, der Staub im Mund und kein Geschmack nach Krokant.

Ich kann nur sagen, das ist die letzte Packung von Knüsperli-Müsli, die ich gekauft habe. Auf der Suche nach einem neuen Müsli bin ich dann am Keksregal vorbei gekommen. Und wie es der Zufall so will treffen meine Augen auf Granola. Der Keks meiner Träume muss natürlich sofort in den Einkaufswagen, aber mir fällt gleich auf, dass die Verpackung neu ist und deutlich weniger Kekse in einer Packung enthalten sind als früher. Zuhause beim öffnen sehe ich dann auch die Aufschrift „verbesserte Rezeptur“. Und schon beim ersten Bissen merke ich, das ist keine verbesserte Rezeptur, sondern eine ganz neue. Und sie ist nicht einmal mehr annähernd so gut. Der Witz an den alten Granolas war der vollkornige Teig und dann die verschwenderisch aufgetragene Schokolade auf einer Seite des Kekses. Ein pures Geschmackserlebnis. Aber jetzt ist es enttäuschend, zwar ein paar Körner im Keks, aber bei weitem nicht mehr so viele wie früher. Und auch die Schokolade wurde reduziert.

Traurig gleitet mein Blick jedes Mal über das Regal im Supermarkt, aber es nützt nichts. die neue Rezeptur schmeckt mir nicht. Leider habe ich bisher noch keinen Ersatz dafür gefunden.

Ich finde es ja gut, dass die Nahrungsmittelindustrie nicht aufhört, ihre Produkte zu verbessern, aber gleich ganz zu verändern? Muss das denn wirklich sein? Dann benenne ich es wenigstens anders und wecke im Konsumenten nicht das Gefühl, dass er ja immer noch das Selbe zu sich nimmt.

3 Reaktionen zu “Verbesserte Rezeptur”

  1. Matthias

    Bei den ganzen „verbesserten Rezepturen“ läuft es meist darauf hinaus, dass wenig in der Packung drin ist, das Zeug nicht mehr so gut schmeckt und immer noch genau so viel kostet. Toll. Warum nicht einfach ein bewährtes und beliebtes Produkt unverändert lassen?

  2. Anna

    Ich habe einen Ersatz für die Granola Kekse gefunden. Milka Choc & Grains 🙂 Schmeckt super lecker, genau wie Granolas.

  3. Vudi Röller

    Im Fußball sagt man: „Never change a winning team.“ – Die BWLer sollten sich mal daran halten und aufhören, erfolgreiche Produkte zu verändern. In der Regel ist eine „veränderte Rezeptur“ eine Verschlechterung, denn die Motiviation dahinter ist doch, dass man Rohstoffkosten sparen will. Extravagante Zutaten fliegen raus, oder werden massiv reduziert, und werden durch Zucker ersetzt.

    Früher hat man in Notzeiten verschiedene Lebensmittel gestreckt. Heute ist das ein Prinzip des gesamten Lebensmittelbranche.

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