Geschirrspülmittel im Werdegang der Zeit

Im Zuge meiner Arbeit bin ich im Merian 5. XXIV / C 4701 E, dem 275. Merianheft vom Jahr 1971 auf folgende zwei Werbungen gestoßen (klick vergrößert):

Sun < - > Somat

Auch nach langer Suche bin ich nicht darauf gekommen, ob es Sun noch gibt, ob es wer aufgekauft hat oder wie auch immer. Dass es Somat noch gibt kann man auch heute noch in der Werbung sehen.

In der Sun Werbung haben sie einige bemerkenswerte Sätze geschrieben.

1. “Jahrelange Forschung macht eben was aus!” - erstaunlich, diesen Satz genauso heute auch zu hören. Der erste Geschirrspüler wurde in Europa 1929 von der Firma Miele gebaut. Somit sind die jahrelangen Forschungen von 1971 mal mit knapp 40 Jahren beschränkt.

2. “Sun spült tüllentief!” - Das Wort “tüllentief” wurde in meinen aktiven Sprachgebrauch übernommen. Was eine Tülle ist wird hier erklärt und warum gerade dieses “tüllentief” in der damaligen Zeit so wichtig war, das zeigt sich zum einen in der Teekanne der Werbung (so ein Ding war damals im täglichen Gebrauch) und zum anderen weiß jeder, der schon einmal eine solche Kanne abwaschen musste, wie hoffnungslos das Unterfangen ist, diese Tülle zu reinigen. Trotzdem finde ich es schön. Das wäre, wie wenn ich jetzt sagen würde, ich putze badewannenabflusstief!

3. “Darum wird Sun von führenden Spülmaschinen-Herstellern besonders empfohlen!” - Hmmm, kenne ich den Satz nicht aus der schon kommentierten Werbung von Calgon? Da wird der Satz identisch verwendet. Calgon wurde Anfang der 50er Jahre entwickelt. Da stellt sich doch die Frage, wer zuerst war.

Wenden wir uns der Werbung von Somat zu. Das erste Somat wurde 1962 auf den Markt gebracht. Also 9 Jahre vor unserer Werbung.

Schon damals warb Somat damit, dass es spurenlosen Glanz hervorbringen würde, keine Streifen und Flecken und so weiter. Und heute, knapp 60 Jahre später, wo Somat beim “Tab 7 in 1″ angelangt ist, werben sie immer noch mit dem mehr oder weniger identen Wortlaut.
Da frage ich mich doch, ob sich das Produkt nicht verbessert hat. Der jetzige Klarspüler von Somat hat als extra den Korrosionsschutz, der entspannt das Wasser (klingt interessant, vielleicht muss ich demnächst mal in einem entspannten Wasser baden). Aber ist der Rest gleich geblieben? Ich als Konsument bin auf jeden Fall etwas erstaunt, wenn alle diese Geschirrspülmittel kontinuierlich verbessert werden und mit immer neuerer Rezeptur auf den Markt kommen und doch schon vor 60 Jahren das Geschirr spurenlos sauber gewaschen haben. Mehr als sauberes Geschirr will ich doch gar nicht.

5 Reaktionen zu “Geschirrspülmittel im Werdegang der Zeit”

  1. Al'be:do

    Ich habe ‘ident’ erst für eine denglische Übersetzung gehalten, habe aber kurz bei leo.org recherchiert und herausgefunden: ident(österr.)=identisch(hochdeutsch) :)

    Zum Thema: Damals war schon alles spurenlos sauber, aber heute ist alles am spurenlosesten saubersten aller Zeiten, dank Mega Memory Activ Essence 7-in-1 Oxi Clin L Casei Defensiss-Activ Powerstoff mit oxygenisiertem Sauerstoff-Speicher-Perls.

    Ach, das waren noch Zeiten, als die Sachen einfach nur sauber sein sollten. Tja, und dann war Raider auf einmal Twix.

  2. Al'be:do

    Übrigens, Wasser kann tatsächlich entspannt werden.
    Dazu braucht man nur Seife. Die verringert nämlich die Oberflächenspannung des Wassers (deshalb ‘entspannen’) und erhöht damit dessen Benetzungsfähigkeit.

  3. Phillip

    Und die Fettlösekraft. Aber mit Korrosion hat die Oberflächenspannung - wie es hier allerdings suggeriert werden soll - nicht das geringste zu tun.

    Die Oberflächenspannung beeinflusst das Vermögen, stoffe zu lösen oder die Tropfenbildung.
    Korrosion dagegen hängt von zwei Faktoren ab.
    1. Leitfähigkeit der Flüssigkeit (die wiederum bei Wasser durch die Bildung von OH- und H30+ Ionen und zusätzlich von der Menge der in ionisierter Form gelösten Stoffe ab.
    2. von der Elektrochemischen Spannungsreihe. Was wird reduziert und was Oxidiert? Wenn ich Silberbesteck in den Geschirrspüler lege und das berührt mein Stahlbesteck (Eisen), dann wird der Stahl korrodiert. Es setzen sich Stoffe aus dem Wasser auf dem Silber ab, Eisenionen gehen in lösung. Mit genug Gedul lässt sich dadurch das Stahlbesteck zerstören.

    Es gibt noch weitere Faktoren und ich erhebe hier keinen Anspruch auf lückenloses Wissen über Korrosion, aber ich denke ich habe den Vorgang halbwegs korrekt beschrieben.

  4. Al'be:do

    Klar, die Fettlösekraft hängt nicht vom Wasser ab, sondern von den Tensiden, zu denen auch Seife gehört. Tenside besitzen einen wasserliebenden, auch hydrophil genannten Kopf und eine wasserabweisende, hydrophob genannte Kohlenwasserstoffkette (Schwanz). Die Schwänze lagern sich an Fett, Schmutz usw. an und die hydrophilen Köpfe zeigen dabei in Richtung des umgebenden Wassers. Dadurch können Fett und Schmutz frei im Wasser schwimmen.
    Die Fett-Wasser-Lösung wird Emulsion (daher auch der Name Emulgator statt Tensid in der Lebensmittelindustrie) genannt und die Schmutz- oder Feststoff-Wasser-Lösung heißt Suspension.

    Die Glaskorrosion, um die es in der Werbung geht, hängt vor Allem von der Wasserhärte, der Glasqualität, der Wasser(dampf)temperatur und dem Spülmittel ab. Glaskorrosion ist nämlich nichts anderes, als die Herauslösung von Ionen aus der Glasoberfläche. Dadurch ändern sich die optischen Eigenschaften des Glases, was als Trübung sichtbar wird.
    Zum Beispiel ist Bleikristall (hochwertiges Glas) sehr unempfindlich gegenüber Glaskorrosion.
    Kratzer im Glas sind, wie bei Metall, immer die ersten Angriffspunkte für Korrosion.
    Die Tabs enthalten unter Umständen zuviel Wasserenthärter für die Region, in der man lebt. Wenn das Trinkwasser selbst schon sehr weich ist, wird es noch weicher, was es sehr aggressive gegenüber Glas macht. Zu hartes Wasser ist ebenfalls schlecht.
    Wenn beim Trocknen in der Maschine der Wasserdampf zu lange auf das Glas einwirken kann, ist das ebenfalls schädlich, also nach dem Spülen die Klappe sofort öffnen, damit der Wasserdampf entweichen kann.

  5. Werbewahn - Wahnsinn aus der Welt der Werbung » Tischkultur im Jahr 2007

    [...] Alles soll mit dem Somat 7, dessen Bekanntschaft wir hier schon einmal gemacht haben, gehen. Jetzt frage ich mich aber, wie bringe ich meinem Tisch das bei? [...]

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