L. Casei Immunitass / Defensis
Wieder ein Fundstück, diesmal aus dem Regal des Supermarkts meines Vertrauens (und wieder mit meiner tollen Handy-Kamera geschossen, deshalb nicht gerade umwerfende Qualität):

Actimel wirbt, wie wir an obigem Bild zweifellos durch meine schöne Hervorhebung erkennen können, damit, dass es L. Casei Imunitass enthält. Wie diverse Leser schon von Dr. Shirota wissen, handelt es dich dabei um ein Milchsäurebakterium mit dem Namen Lactobacillus Casei. Und wie wir weiter wissen, wurde der Bacillus wegrationalisiert, damit die Sache gesunder klingt. Soweit nicht wirklich neu.
Bakterien erhalten für gewöhnlich lateinische Namen und auch Actimels imunitass lässt für einen unwissenden Lateinisches vermuten. Tatsächlich ist das imunitass eine Wortschöpfung - und zwar eine schlechte, denn in meinen 4 Jahren Schullatein kann ich mich nicht an ein Doppel-S erinnern, das da am Wortschluß herumdümpeln dürfte. Klar, die -as-Endung ist bekannt, aber -ass?
Weil es ja besonders gesund klingen soll, hat man sich auf der Packung für imunitass entschieden. Es ist wohl unnötig zu erwähnen, dass man immun immer noch mit Doppel-M schreibt. Die Wortschöpfung ist ein Griff ins Klo der Pseudowissenschaft in der Werbung.
Noch kurioser ist dann allerdings die Actimel-Homepage. Da ist nämlich plötzlich nicht mehr der L. casei imunitass drin, sondern der L. casei defensis. Defensis klingt noch besser! Das verteidigt uns sicher! Natürlich ist das auch wieder die gleiche Suppe, allerdings erhalten wir da sogar eine Anleitung, wie wir den L. Ca-se-i De-fen-sis richtig aussprechen. Und defensis ist immerhin wirklich Latein. Dafür sollte man sonst mal mit dem Duden vor die Homepage sitzen, denn:

…und das activiert aktiviert bei mir Brechreiz - und da handelt es sich nicht um einen Einzelfall.

14.12.2006, 10:47 Uhr
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Am 22. Dezember 2006 um 14:23 Uhr
Wenigstens sind die activen Abwehrkräfte noch haltbar.
Am 31. Januar 2007 um 12:02 Uhr
[...] während wir im deutschsprachigen Raum bestenfalls mit Wortimporten aus dem Englischen oder verschleiernden Wortschöpfungen zu kämpfen haben, haben die chinesischen Werbeleute die Zweitsprache, in der sie gerne werben [...]
Am 26. März 2007 um 20:39 Uhr
[...] computeranimiert im Unterkörper eines Menschen zusammen und bilden klar lesbar das Wort “Imunitass“, dessen Unsinn hier schon erläutert wurde. Unterarten der Milchsäurebakterien sind [...]
Am 24. Juli 2007 um 13:34 Uhr
[...] dabei geben sie sich wirklich alle Mühe, wie man hier und hier bereits nachlesen kann. Aber nun zum eigentlichen Anlass dieses [...]
Am 2. Oktober 2007 um 10:58 Uhr
[...] auch sonst eher auf den Inhalt dessen, was auf dem Tisch landet. Und weil die Schöpfer des L. Casei Immunitass und damit Stärker der Abwehrkräfte nicht schlafen und auch ein Stück vom [...]
Am 2. Oktober 2007 um 17:35 Uhr
[...] Der L. Casei Defensis heißt übrigens nun wieder Imunitass und wird reichlich angepriesen. Sogar die abscheuliche Wortschöpfung “Imunitass” [...]
Am 21. November 2007 um 09:51 Uhr
An dieser Stelle wurde von einem Kommentierenden ein Text ohne Quellenangabe zitiert. Da die Rechtslage diesbezüglich ungeklärt erscheint, habe ich mich zur Ausblendung (inklusive einer Antwort, die nun völlig ohne Kontext dagestanden wäre) entschieden. Der Hinterlasser des Kommentars möge, sofern er den Kommentar ernstlich veröffentlicht hat, mit einem Beweis der Verwendungserlaubnis des Textes an mich (siehe Kontaktseite) treten.