Kindermund tut Wahrheit kund.

17. August 2010 von Anna

Generell heißt es ja, dass Kindermund Wahrheit kund tut. Sie nehmen sich kein Blatt vor den Mund, sind nicht diplomatisch oder rücksichtsvoll. Sagen eben, was sie denken.
Manchmal können Kinder ihre Gefühle nicht in Worte kleiden, dann sieht man ihnen aber am Gesichtsausdruck genau an, was sie denken oder fühlen.

Nun gibt es eine Werbung, zu der dieser weise Satz passt, wie die Faust aufs Auge. Es handelt sich um eine Werbung des Drogeriemarkts – dm. Sie besteht aus lauter Schnipseln, die aneinander gehängt sind  – mit der Kernaussage “Hier bin ich  Mensch, hier kauf ich ein.” Und ein Schnipsel zeigt die Familie am Tisch sitzen und essen. Mutter, Vater, Kind und ein Kleinkind, das gefüttert werden sollte. Die Mutter gibt ihm also einen Löffel des Babybreis aus dem Gläschen, das Kind verweigert, die Mutter nimmt den Löffel mit Babybrei selber in den Mund, verzieht anerkennend das Gesicht und löffelt weiter den Brei aus dem Glas. Schwenk der Kamera auf das Kleinkind, das völlig entsetzt in seinem Kinderstuhl sitzt, das Gesicht verzieht und seine Mutter mit einem Ausdruck des völligen Unglaubens und Ekels ansieht.

Und das Kind hat so recht! Erst unlängst bin ich in den Geruchsgenuss eines Gläschens mit Babybrei gekommen, in dem so herrliche Sachen wie Gemüsereis mit Biopute vermischt waren. Und das stinkt, unglaublich. Ich gebe ja zu, dass die Früchtebreis aus den Gläsern gar nicht so übel schmecken, aber die Hauptmahlzeiten sehen unappetitlich aus und riechen bestialisch.

Das Kleinkind tut also ganz einfach Wahrheit kund. Über Erwachsene, die Babybrei aus dem Glas löffeln kann ich auch nur das Gesicht verziehen.

(Niemand muss jetzt hier einen Vortrag über Babybrei halten, ich weiß, dass Kleinkinder nichts schmecken, das hat auch alles seine Berechtigung. Aber Erwachsene schmecken sehr wohl was, und um das gehts hier!)

Lech eiskalt!

5. August 2010 von Anna

Ich würde ja gerne das folgende Foto einfach für sich sprechen lassen. Da ich aber davon ausgehe, dass die meisten Leser hier nicht der polnischen Sprache mächtig sind, muss ich das ein bisschen erläutern.

Werbung Brauerei Lech

Hier zu sehen ist die Bierwerbung der Marke “Lech”, einer polnischen Brauerei.  Darauf steht: “Lust auf Nervenkitzel? Kaltes Lech.”
Wenn man jetzt bedenkt, dass erst vor wenigen Monaten der polnische Präsident Lech Kaczynski – der halt leider den selben Vornamen hat wie das Bier – verstorben ist, hat man fast das Gefühl, dass die Werbemacher von Lech nicht so wirklich viel gedacht haben bei der Erstellung der Kampagne.

Wirklich unmöglich ist aber einer der Standorte dieser großen Werbeplakate. Nämlich genau gegenüber der Grabstätte des früheren Präsidenten.

Die Brauerei hat sich für die Standortwahl entschuldigt und gemeint, dass das Plakat planmäßig gleich abmontiert werde.

Die Assoziation

3. August 2010 von Anna

Das menschliche Gehirn kann manchmal wirklich ein bisschen fies sein. Nicht selten stellt es so gemeine Verknüpfungen her, die wir gar nicht wollen, aber trotzdem passiert es. Wir sprechen von der Assoziation.
Es gibt auch Menschen, die provozieren diese gemeinen Verknüpfungen und legen viel Wert darauf, dass eine bestimmte Assoziation in unseren Köpfen geschieht.

Zum Beispiel die Macher dieser Speisekarte Speisekarten sind ja Werbung für die Speise an sich.

Werbung Stelzn

Da wird für Stelz’n mit Knödel mit diesem Slogan und diesem Bild von Raschhofers Rossbräu geworben.
Mit “Hoass und Knusprig” in Zusammenhang mit den nackten Beinen der Damen sollen also Stelz’n assoziiert werden.
Mit “fesche Knedl” sollen Brüste, oder vielleicht Pobacken assoziiert werden, die wie Knödel aussehen.

Naja, meiner Meinung nach geschmacklos und ich möchte lieber nicht, dass irgendetwas von meinem Körper mit “Schweinshaxen” in Verbindung gebracht wird. Auch hab ich keine Brüste und keinen Po, der mit latscherten Knödel assoziiert werden soll.

Aber bitte, wenn es den Herren der Schöpfung bei dem Anblick von der Speisekarte das Wasser im Mund zusammenlaufen lässt, haben die Wirte somit ihr Ziel erreicht. Und wer weiß, vielleicht will das Zielpublikum dieser Speisekarte ja wirklich lieber eine Schweinshaxe und Knödel im Bett neben sich liegen haben.

Liebe Kinder…

4. Mai 2010 von Anna

… es gibt da ein paar Regeln, die einzuhalten notwendig wären. Jedes Kind muss sie sich im Laufe seines Lebens das eine oder andere Mal anhören – und das zu Recht.
Ich schreibe euch auch hier ein paar davon noch einmal hin, nur so zur Erinnerung:
- Auto stoppen ist nicht gut, ruf dir lieber ein Taxi, wenn sonst nichts mehr nach Hause fährt.
- Steige nie zu fremden Menschen ins Auto ein, auch wenn sie noch so nett lächeln.
- Schnalle dich immer an im Auto.
So, merkt euch diese Regeln gut.

Wenn nun eine politische Partei Werbung macht, sollte sie doch als Vorbild durch das Leben gehen. Menschen wählen politische Parteien weil sie der Meinung sind, dass das, was diese tun, sagen, verkörpern gut ist.
Gut, sehen wir uns unter diesem Blickwinkel nun folgende Werbung an:

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Einmal abgesehen davon, dass ich nicht verstehe, wofür die Werbung genau steht, was das soll mit dem T-Shirt ausziehen, der blauen Nummerntafel, dem Händeschütteln und dem auf der Rücklehne sitzen und so weiter, bleibt es mir ein Rätsel, warum in 31 Sekunden alle oben genannten Regeln, die jedes Kind lernt, gebrochen werden.
Aber noch viel Kurioser ist die Tatsache, dass die FPÖ Burgenland die Idee zu diesem Spot hier geklaut hat. Und was wurde aus diesem Spot? Er wurde nie in dem Medien gezeigt, er hat nur Hohn und Schande geerntet und das Bundesheer musste sich wortreich dafür entschuldigen.

Will man sich das wirklich als Vorbild nehmen?

Green Day ist kein zulässiger Name

12. April 2010 von Martin
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Aber Geschmack hat er, der Kleine, das muss man im lassen. Ich musste jedenfalls herzhaft lachen.

Besten Dank und eine Entschuldigung für verspätete Reaktion an Tim für den Hinweis!

Lebensräume in der Haut

9. April 2010 von Martin

Ein großartiges Produkt aus dem Hause L’Oréal verdient wieder einmal meine ungeteilte Aufmerksamkeit. Als Allheilmittel für kleine und größere Fältchen, vor allem im Gesicht, derzeit heiß beworben: der Collagen Auffüller. Erhältlich in diversen Varianten (etwa eine besonders kleine Tube speziell für den Bereich um die Augen oder auch eine Tages- und eine Nachtpflege) versprechen die Kosmetikprodukte wahre Wunder bei der Reduzierung von Unebenheiten im Gesicht der Anwenderin. Wie das gehen soll wird uns natürlich auch erklärt:

“Collagen-Biosphären dringen in die Epidermis ein und wachsen beim Kontakt mit dem in der Haut befindlichen Wasser um ein 9-faches. Der Falten-Hohlraum ist wie angehoben. Die Soft-Reflex-Technologie vereint eine samtige Textur mit roséfarbenen Nacrépartikeln, die einen sofortigen Kaschiereffekt haben.”
Letzter Satz in anderer Fassung: “Die glättende Silikontextur legt sich in die Hohlräume und füllt die Falte von außen auf.”

Bitte was?! Das ist so zweifelhaft, wie es sich anhört, aber gehen wir es doch der Reihe nach durch.

1. Collagen, im Deutschen eher Kollagen, ist das im menschlichen Körper am häufigsten vorkommende Eiweiß. Es ist so ziemlich überall drin, wo man besondere Festigkeit braucht: Knochen, Haut, Knorpel und noch einige mehr. Stellt man Kollagen industriell her (was bei Hautcreme wohl der Fall sein dürfte), so geschieht das in Form von Gelatine. Und die wird, laut Wikipedia, “meist aus Schlachtabfällen gewonnen”. Ob das auch beim Collagen hier so ist, kann nicht nachvollzogen werden, aber der Schluss liegt nahe.

2. Biosphären. Bisher war ich immer der Meinung, dass Biosphären Orte sind, an denen Leben möglich ist. Wikipedia bestätigt diese Vermutung. Was genau eine Biosphäre nun mit Kollagen zu tun hat weiß wahrscheinlich nicht einmal die Marketingabteilung von L’Oréal, aber es klingt halt so gut. Wobei bezweifelt werden darf, ob die Anwenderin unbedingt einen Lebensraum in ihrer Oberhaut haben will (oder ob sie gegen das Leben im Gesicht vielleicht nicht doch noch ein Clearing-Produkt kaufen möchte, das dieses unterbindet). Ich glaube überhaupt nicht an den Lebensraum, viel eher an eine total in die Hose gegangene, pseudowissenschaftliche Wortschöpfung.

3. Falten-Hohlraum. Klingt wie ein Krater, oder? Aber zum Glück wird der ja angehoben! Durch das tolle Kollagen, das im Kontakt mit Wasser um ein 9-faches wächst! Erstaunlich? Wer schon mal Gelatine in Wasser gelegt hat, dem wird der Effekt wirklich nicht neu sein.

4. Soft-Reflex-Technologie. High-Tech-Blabla ohne etwas dahinter. Sanfte-Reaktion-Technologie? In Anbetracht der noch zu erörternden Nacrépartikeln wird man wohl eher von Reflexion statt Reflex ausgehen können, das klingt aber nicht mehr so toll und wurde deswegen wohl wegrationalisiert.

5. Roséfarbene Nacrépartikel. Wie erwartet findet Google zu Nacrépartikeln gar nichts außer Marketingfloskeln aus bekannter Schmiede. Ich vermute, dass sich Nacré irgendwie aus dem französischen Wort für Perlmutt (nacre) ableitet. Dann allerdings hätte der Akzent keine wirkliche Funktion, außer das Suggerieren, dass Nacré etwas besonders französisches ist. Wie man etwas, das in den unterschiedlichsten Farben je nach Lichteinfall schimmert, dazu bringt, einfach nur noch rosarot zu schimmern, kann ich allerdings nicht erklären. Einfacher wäre es wohl, einfach nur Make-Up in die Creme einzuarbeiten.

6. Glättende Silikontextur, die sogar Hohlräume von außen auffüllt! Die entscheidende Frage ist hier wohl nicht, ob die Creme das tut, sondern wie lange. Kurzfristig kann ich meine Unebenheiten auch mit anderen Mitteln ausbügeln. Da das Zeug auf der Haut bleibt würde ich der Silikontextur eine Lebensdauer bis zum nächsten Waschen des Gesichts attestieren. Abgesehen davon bezeichnet Textur eigentlich nur die Oberflächenbeschaffenheit des Mittelchens und ich glaube kaum, dass man mit Oberflächenbeschaffenheit allein schon irgendetwas ausfüllen könnte.

Zusammengefasst zwei Übersetzungsversuche.
Wörtlich: Gelatine-Lebensräume dringen in die Oberhaut ein und wachsen beim Kontakt mit dem dort befindlichen Wasser auf das Neunfache. Dadurch erscheint die Faltentiefe reduziert. Die Sanft-Reaktions-Technologie vereint eine samtige Oberflächenbeschaffenheit mit rosaroten Perlmuttpartikeln und kaschiert sofort. (Variante: Die glättende Oberflächenbeschaffenheit legt sich in die Falte und füllt sie von außen auf.)
Ehrlich: Gelatine dringt in die Haut ein und saugt sich dort mit Wasser voll. Dadurch erscheint die Faltentiefe wie angehoben. Außerdem kaschiert das Produkt dadurch, dass es sich in die Falte legt, diese ausfüllt und dabei rosarot glänzt.

Die Sache mit dem Essen…

30. März 2010 von Anna

… ist eine immer während Aktuelle. Es fängt bei Babys an, wie diese richtig zu ernähren sind, geht bei Kindern weiter, wie man ihnen beibringt, dass gesunde Sachen gut schmecken und hört beim Opa auf, dem erklärt werden muss, dass er auf seinen Cholesterinspiegel achten soll. Was wir da zu uns nehmen sollen in den verschieden Stadien unseres Leben, erzählt uns die Werbung ganz genau.
Hier kommt wieder eine neue Weisheit der “Werbungs-Ernährungs-Wissenschaften”:
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Wir bekommen jetzt also erklärt, dass wir mit unseren lieben Kleinen einfach zu McDonalds essen gehen sollen, denn da können sie einfach nur genießen.
Hallo, liebe Werbemacher! Bitte nicht diese Schwarz-Weiß-Malerei. Es gibt viele viele Zwischenstufen. Ein Kind muss nicht im Anzug alleine im Haubenrestaurant einen Fisch oder einen Oktopus speisen. Aber es muss deswegen auch nicht bei McDonalds mit Pommes verköstigt werden. Eine ausgewogene und gesunde Ernährung ist kein schwieriges Unterfangen bei Kindern. Außerdem behaupte ich, dass sich diese Aufgabe in einem Haubenrestaurant sicherlich noch besser bewerkstelligen lässt als bei unserer Fastfood-Kette.

Wir definieren “schenken”.

25. März 2010 von Anna

§ 938 ABGB definiert: “Ein Vertrag, wodurch eine Sache jemanden unentgeltlich überlassen wird, heißt eine Schenkung.”
Wikipedia definiert: “Ein Geschenk (von (ein-)schenken, also dem Bewirten eines Gastes) ist die freiwillige Übertragung des Eigentums an einer Sache oder an einem Recht an einen anderen, ohne eine Gegenleistung zu verlangen.”

Wir schließen also daraus, dass wir beim Schenken etwas hergeben, ohne etwas anderes dafür zu bekommen.

Mediamarkt sieht das offenbar etwas anders.
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Hier wird “schenken” so definiert, dass eine ordentliche Gegenleistung erbracht werden muss, bevor man das “Geschenk” erhält. Also nichts mit unentgeltlich wie es im Gesetz gefordert wird (natürlich auch im deutschen). Und die Tatsache, dass dieser Mann wirklich momentan andere Sachen dringender braucht als einen Fernseher, übersehen wir geflissentlich, sonst wäre dieser Artikel um einiges länger.

Jetzt stellt sich mir die Frage, wer ist denn nun “blöd, mann!”?

Der Schutzengel, die faule Sau.

21. März 2010 von Anna

Kommentarlos ansehen und sich freuen, dass mit wenig Aufwand eine grandiose Werbung kreiert wurde.

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Danke Mercedes, dass ihr wieder eine wunderbare Werbung produziert habt.

Internorrrrrrrrrrm

16. März 2010 von Phillip

Ich musste wirklich herzlich lachen. Die Idee ist so absurd, dass ich sie schon wieder genial finde. Keine lächelnden Gesichter, keine aufpolierten (lies: nachbearbeiteten) Frauen, keine muskulösen Männer und auch keine überglücklichen oder (Gott bewahre!) rappenden Kinder. Einfach nur ein Kater:

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Ungewöhnlich. Witzig. Einprägsam. Von mir gäbe es die volle Punktezahl.