Ausnahmsweise einmal am Puls der Zeit…

3. Februar 2014 von

… für Werbewahnverhältnisse zumindest, denn in letzter Zeit war es hier eher still und auch sonst haben wir uns aus Hypes eher herausgehalten. Aber der Superbowl ist keine 24 Stunden her, die Aufregung groß und ich gebe meinen Senf dazu. Leider ist es die falsche Art von Aufregung, denn anstatt sich über die unzähligen Frechheiten, Unwahrheiten, Lügen und Schlimmeres aufzuregen, lässt ein meiner Meinung nach sehr guter Spot einen rassistischen Shitstorm auf Coca Cola niedergehen.

YouTube Preview Image

Ausgerechnet America the Beautiful wird in mehreren Sprachen gesungen! Wie können sie es wagen? In Amerika!? Da, wo es NUR Englischsprachige Menschen gibt – und schon gar keine Immigranten!?? Ich weiß nicht, ob ich lachen oder weinen soll.

Die gute Nachricht ist, dass der Spot vielen Menschen gefällt und das genauso gesagt wird, und dass es einige Gegenkommentare zu den Rassisten gibt . Zum Beispiel unter den Kommentaren zum obigen Video, auf Coca Colas Twitterseite oder auch unter #americaisbeautiful. (Jetzt ist es übriges passiert und ich alter Mann habe meinen ersten Hashtag verwendet, und das an einer Stelle, wo er nicht einmal etwas nützt. Es ist nicht so, dass ich das Doppelkreuz nie verwende, denn ich programmiere oft genug.)

Man muss es den Werbern von Coca Cola zugestehen: Sie haben eine beachtliche Aufmerksamkeit erreicht, und zwar sogar für den Preis von 3,5 Millionen Dollar pro 30 Sekunden beachtlich. Der langen Rede kurzer Sinn: Wenn sich endlich mal jemand über Werbung aufregt, dann sind es Haufenweise rassistische Vollidioten. Schöne neue Welt…

Aber es könnte schlimmer sein. Man stelle sich nur vor, was los wäre, wenn den intoleranten Rednecks das homosexuelle Paar mit ihrem Kind beim Rollschuhfahren aufgefallen wäre!

Update: Da die ursprüngliche Version gelöscht wurde, habe ich nun den Upload aus dem Coca Cola Channel eingefügt.

So viel Frucht ist nicht zu fassen! – Dann machen wir’s eben mit weniger…

12. Juni 2012 von

Schon seit langem geistert die Werbung für Frucade (Limonade) durch das österreichische TV, ohne meine Aufmerksamkeit zu erregen. Diverse Spots erzählen mir von unglaublich fruchtiger Limonade:

“Frucade! So viel Frucht ist nicht zu fassen!”

Hier eine Kostprobe. Und ich nehme das so hin, zerbreche mir auch nicht weiter den Kopf darüber. Bis gestern. Meine Freundin hatte letztens eine Flasche in der Hand und las das Etikett: 10% Fruchtanteil! Die Produzenten haben wohl auch nicht so viel Frucht zu fassen bekommen…

Steril geht die Welt zugrunde!

6. März 2012 von

Die ewige Leier von der Hygiene hat einen neuen Höhepunkt erreicht, oder sollte ich besser sagen Tiefpunkt? SAGROTAN No-Touch! Unsere lieben zerbrechlichen Kinderlein können ENDLICH, ohne den grausigen und bakterienverseuchten Seifenspender anzufassen, eine desinfizierende Seife verwenden! Liebe Eltern, kaufen Sie unbedingt dieses Produkt. Ihre Kinder werden an Pest und Cholera leiden, wenn Sie es nicht tun, und zwar wöchentlich – zwei mal!

Warum zur Hölle muss alles hygienisch sein? Kinder spielen in der Wiese, bohren mit dreckigen Händen in der Nase und essen dann die Ausbeute! Abgesehen vom Nasensekret, das für sich alleine schon recht viele Bakterien enthält, kommt noch allerlei aus der Umwelt hinzu. Und trotzdem überleben sie es in der Regel. Und jetzt soll mir bitte keiner mit irgendwelchen dämlichen Einzelfällen kommen! Sonst müsste man Autos, Leitern, Küchenmesser, Herdplatten, Steckdosen, Bäume, Gehsteigkanten, Treppen und eigentlich alles außer sterilen Wattebällchen auf der ganzen Welt verbieten…

Ein Kind, dass überbehütet wird, wird es draußen später schwer haben. Genauso ist es mit dem Immunsystem. Wenn es nie einen Gegner sieht, dann wird es ihn entweder nicht erkennen oder nicht mit ihm fertig werden. Ich könnte mich jetzt so richtig in Rage schreiben, aber ich beherrsche mich, so gut es geht. Gibt es eigentlich Gesetze gegen die Gefährdung des allgemeinen Gesundheitszustandes?

Und was ist mit dem Wasserhahn, dem Handtuch, der Türklinke oder spätestens den Schulheften, die regelmäßig auf hochkontaminierten Schultischen liegen?? Und warum zum Teufel bieten sie uns einen Seifenspender an, der nicht angefasst werden muss, wenn wir uns drei Sekunden nach dem Anfassen sowieso die Hände desinfizieren würden??? Das ist nicht nur überflüssig und grenzenlos dumm, sondern auch noch die reinste Abzocke!

Und ja, so etwas macht mich wirklich rasend! Wer ein Brechmittel braucht: Klick!

Wenn Beauty-Werbung ehrlich ist…

12. Januar 2012 von
YouTube Preview Image

Es wäre auch zu schön gewesen. :(

Wir wünschen…

24. Dezember 2011 von

… allen unseren Lesern fröhliche Weihnachten und schöne Feiertage!

Wird Media Markt jetzt teuer, oder was!?

21. Oktober 2011 von

Um zu verstehen, dass Preisschlachten zwischen Konkurrenten auf Dauer nicht unbedingt gewinnbringend sind, muss man nicht Wirtschaft studiert haben. Dennoch wird man in der Werbung pausenlos mit solchen Schlachten konfrontiert. Saturn und Media Markt (eigentlich keine wirklichen Konkurrenten) lieferten immer wieder Beispiele. Wir haben uns öfter damit befasst, z.B. hier, hier und hier.

Anscheinend hat zumindest Media Markt nun einen Kurswechsel vollzogen und möchte auf Preisschlachten und Billigangebote verzichten. Als wäre diese Tatsache nicht schon überraschend genug, wurde auch noch eine Art Werbespot veröffentlicht, in dem dieses neue Prinzip alles andere als klar kommuniziert wird. Der Titel des Machwerks ist “Das Ende des Preisirrsinns” und könnte, wenn man den Bezug auf Media Markt (folgend MM genannt) entfernt, genauso gut irgendeinem Kurzfilmfestival konsumgesellschaftskritischer Künstler entsprungen sein. Persönlich begrüße ich Werbung, die zum Nachdenken anregt und nicht in der ersten Sekunde begriffen wird. Bei mir bleibt so etwas eher hängen. Aber ich muss zugeben, dass der Spot selbst für meinen Geschmack sehr konfus ist.

YouTube Preview Image

Gerade im Internet kaufende Kunden geben immer wieder an, ihre Artikel deutlich günstiger zu bekommen als bei Media Markt bzw. Saturn. Wir berichteten, in diesem Fall war es Saturn, aber weder Preise noch Strategie unterschieden sich damals deutlich voneinander. Sollte dem nicht so sein, dann schiebe ich es an dieser Stelle auf die schlechte Werbung, deren Botschaft mich nicht erreicht hat (bin ich gemein?). Auf jeden Fall kann man, um die eigentliche Frage zu beantworten, nicht davon ausgehen, dass MM deutlich teurer wird. Viel mehr drängt sich der Eindruck auf, dass sie ihre Preise nun rechtfertigen wollen.

Aber wie kann es sein, dass sie mit dieser Strategie trotzdem Erfolg haben? Selbst im Zeitalter des Internets scheinen bei Weitem nicht alle Konsumenten fähig oder eher willens zu sein, Preise zu vergleichen und Informationen zu sammeln vor einem Kauf. Ist MM also zu verurteilen, weil Faulheit, Dummheit oder Unwissenheit von Kunden ausgenützt werden? Oder ist man in diesem Unternehmen einfach schlau genug, sich die Bequemlichkeit von den Leuten bezahlen zu lassen?

Ich möchte die Frage hier einfach offen lassen, ich erzähle nur eine Geschichte dazu: Kürzlich habe ich beim Hantieren am Sicherungskasten am Samstag Nachtmittag das Netzteil meines PCs zerschossen. Als jemand, der sehr gerne viel Zeit am Computer verbringt, war ich natürlich sauer. Aber mit Fahrrad, Schraubenzieher und Saturn war das Problem in 45 Minuten behoben. Selbstverständlich könnte ich noch immer ein Netzteil online bestellen und das Gekaufte ausbauen, verpacken und zurückbringen, um mein (zu viel bezahltes) Geld zurückzubekommen und das Neue dann einbauen. Aber wenn es schon mal eingebaut ist und läuft…

Rexona MotionSense – Can’t stop movin’!

12. Oktober 2011 von

Rexona hat, nachdem der Biorhythmus offenbar aus der Mode gekommen ist, etwas ganz revolutionär Neues im Sortiment: Deos mit MotionSense System!

YouTube Preview Image

Es ist schon äußerst amüsant, dass man Frauen mit Glöckchen ausstatten muss, um herauszufinden, wie viel sie sich bewegen, aber alles muss ja nicht logisch sein in der Werbung. Der Hersteller wird darüber hinaus auch nicht müde, uns eine Erklärung zu liefern, was hinter diesem tollen Namen steckt:

“Durch das Benutzen der neuen Rexona Deos mit MotionSense Technologie werden Mikrokapseln auf die Hautoberfläche aufgetragen. Die MotionSense Duft-Kapseln werden durch Bewegung aktiviert. Die Umhüllung der Mikrokapseln wird zerrieben und setzt so zusätzlich enthaltene Duftstoffe frei. Dank der innovativen MotionSense Formulierung ist Rexona das erste Deodorant, das schützt bevor man schwitzt.” (rexona.de)

Kurz gesagt also Kapseln, die Duftstoffe beinhalten und aufgerieben werden, wenn man frau sich bewegt. Ich wollte mich der Sache schon wissenschaftlich annähern, da fiel mir der schon oben verlinkte Artikel des Mitautors zum Biorhythmus hier in die Augen und siehe da – so neu scheint die Idee mit der Aktivierung bei Bedarf gar nicht zu sein. Dankenswerterweise hat der Kollege den Pressetext vor viereinhalb Jahren gesichert, ich stelle ihn hier gerne noch einmal für den direkten Vergleich ein:

“Das neue Rexona WOMEN biorythm passt sich jeder Situation an und wirkt in Harmonie mit dem Körper. Denn eine neue Wirkstoff-Formel sorgt dafür, dass körper-aktive Mikrokapseln genau dann freigesetzt werden, wenn ein extra Deo-Schutz benötigt wird. Diese körper-aktive Wirkformel und der frisch-fruchtige Duft unterstreichen die neue Weiblichkeit der Variante biorythm von Rexona WOMEN.” (unilever.de)

Man kann Rexona zugute halten, dass die pseudowissenschaftlichen Begriffe im Laufe der Zeit etwas weniger geworden sind, die Kapseln hingegen scheinen sich aber schön gehalten zu haben. Es sei daher den geneigten Lesern selbst anheim gestellt, für wie bahnbrechend er die Erfindung der neuen MotionSense Duft-Kapseln im Vergleich zu den bisher verwendeten körper-aktiven Mikrokapseln hält. Ich persönlich bin überhaupt geneigt, sie als Werbekreation einzustufen, aber ich kann das leider nicht durch wissenschaftliche Fakten untermauern.

Jedenfalls scheint das Werbebudget für das neue Produkt einigermaßen großzügig bemessen worden zu sein. Da die Strategie vor allem darauf fußt, dass sich Frauen angeblich so unglaublich viel bewegen (siehe Spot oben), hat man (also die Werbeverantwortlichen) versucht, auf YouTube Nutzer zu Bewegungen vor der Kamera zu motivieren, die dann irgendwas gewinnen und in einem Musikvideo mitwirken konnten. Oder so. Ich habe meine Nachforschungen an dieser Stelle abgebrochen, weil der Fremdschämfaktor zu groß wurde, aber seht selbst:

YouTube Preview Image YouTube Preview Image

Schon beim ersten Video findet sich in den Kommentaren auf YouTube ein Vermerk: “Wow, ist das traurig!” (derzeit 136 x Daumen hoch). Dem wäre eigentlich nichts mehr hinzuzufügen und die Sache abzubrechen gewesen, aber nein, selbstverständlich hat man es durchgezogen und das versprochene Video der Nutzer tatsächlich produziert. Und das ist dabei herausgekommen:

YouTube Preview Image

Für interessant halte ich vor allem die Tatsache, dass die “Everyday Moves” der zahlenden Kundschaft hauptsächlich in Haushaltstätigkeiten wie Putzen, Kochen, etc. bestehen und dass das auch so animiert wurde. Berufstätigen Damen schenkt man offenbar nicht so viel Augenmerk. Auch unklar ist mir, warum da ein Kerl für ein Frauendeo im Video herumhüpft, aber der Grund dafür wird wohl genauso im Verborgenen bleiben. Bedauerlicherweise war der Aktion als Ganzes nicht das gleiche Schicksal vergönnt.

Das Geheimnis gesunder Raumluft

2. Oktober 2011 von

Manchmal erscheint das Produkt so seltsam, dass mir kein vernünftiger Einstieg in einen Artikel gelingen will. So auch bei diesem Produkt. Ich stelle daher den Werbespot, mit dem alles begann, vorweg. Dafür, und das verspreche ich auch gleich an dieser Stelle, wird der Beitrag sicher länger.

YouTube Preview Image

Hatte ich richtig gehört? Eine Creme, die man zur Verbesserung der Raumluft auf Wände auftragen muss? Die anscheinend so viel Frische verleiht, dass sie sogar Wände zum Einsturz bringen kann? Mit Lufterfrischern haben wir uns ja schon öfter auseinander gesetzt, meine Neugier war also eindeutig geweckt.

Es gibt diese Creme tatsächlich, nennt sich “IONIT wandcreme”. Und es gibt sogar eine zugehörige Website. Das Versprechen lässt sich so zusammenfassen, dass die einmal aufgetragene Wandbeschichtung die Raumluft ein Leben lang auf natürliche Weise “ionisiert”, was zu verbesserter geistiger Leistungsfähigkeit und einem Belebtheitsgefühl führen würde.

Eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema würde den Rahmen dieses Beitrags bei weitem sprengen, nur so viel: Der Hersteller kann auf eine Studie, die “Luftionenstudie 2010″ von drei Medizinern der MedUni Wien, verweisen, die er sogar selbst (in Kurzfassung) zum Download anbietet und die Räumen, die solch ionisierte Luft enthalten, genau die oben beschriebene Wirkung bescheinigt. Daran kann man kritisieren, dass diese Studie vom Hersteller selbst finanziert wurde, es lediglich 20 Testpersonen gab und dass die Studie zwar “statistisch relevante” Unterschiede (im Vergleich zu Personen, die im nicht behandelten Testraum saßen) zutage gefördert hat, inwieweit diese Unterschiede aber tatsächlich auf den Alltag, bei dem weit mehr Faktoren auf die Raumluft wirken, übertragbar sind, wurde nicht so recht erhoben.

Unsereins öffnet zur Belebung der Raumluft und des Körpers einfach gelegentlich das Fenster oder trinkt, wie auch die Studie anmerkt, einen Kaffee. Interessant wäre auch die Frage, ob das Lüften des Raums einen Einfluss auf die ionisierte Luft hat, die dann wahrscheinlich entweicht oder stark durch die eindringende, nicht so ionisierte Luft verdünnt wird. Nach meinem Verständnis kann nämlich ein Sauerstoffmangel oder stickige Luft nur durch Lüften und keineswegs durch Luftionen ausgeglichen werden. Welche Zeit die Luftionenproduktion erfordert, war leider nicht in Erfahrung zu bringen, man darf also hoffen, dass man als häufiger Stoßlüfter nicht ständig das hart ercremte Ergebnis zunichte macht. Aber sei’s drum.

Die Wandcreme muss mit einem speziellen Handschuh, dem “IONIT cremehandschuh”, auf die Wand aufgetragen werden und zwar laut Broschüre “mit kreisenden Bewegungen”. Aufrollen, wie man das vom Ausmalen gewöhnt ist, ist zwar offenbar möglich (siehe nachfolgendes Video), besser sei jedoch das Auftragen mit dem Handschuh, weil dadurch die Wandoberfläche vergrößert würde.

Aus persönlicher Erfahrung kann ich sagen, dass ich auf das Ausmalen unserer relativ kleinen Wohnung in Wien kürzlich gerne verzichtet hätte. Wenn ich daran denke, dass ich die gesamte Fläche mit dem Creme-Handschuh bearbeiten sollte, dann wird mir schon schlecht. Auch Vergrößerung der Wandoberfläche durch Auftragung einer Creme erscheint mir fragwürdig, aber ich bin kein Techniker, vielleicht werden die Wände ja gleich mitbelebt und wachsen dadurch – praktisch wäre das allemal! Eine allenfalls dadurch entstehende Struktur, die tatsächlich eine Vergrößerung der Oberfläche zur Folge hätte, wird der Normalverbraucher wohl kaum für seine glatten Wände wünschen.

Auf jeden Fall mache das Auftragen richtig viel Spaß, so viel Spaß, dass der Hersteller das sogar mit einem eigenen Video demonstriert:

YouTube Preview Image

Spaß beim Cremen ist auch dringend geboten. Sonst dürfte das nämlich ein insgesamt eher teures Vergnügen werden: Ein 10 kg Tiegel der besagten Creme, der laut Hersteller für eine Fläche von 12,5 m² ausreicht, schlägt mit 180 Euro zu Buche. Nehmen wir also als einfaches Rechenbeispiel unsere relativ kleine Wohnung in Wien mit etwa 200 m² Wand- und Deckenfläche, beläuft sich der Spaß auf stolze 2.880 Euro. Zum Vergleich: Ein ziemlich guter, handelsüblicher, mit Strom betriebener Luftionisator kostet etwa 200 Euro. Ginge man von einem Durchschnittsverbrauch von 30 Watt und 24-stündigem Betrieb aus (wobei viele Geräte mit deutlich weniger auskommen), könnte man das Gerät, vorausgesetzt es ginge nicht kaputt, bei einem Strompreis von 20 Cent/kwh für den Differenzbetrag derzeit etwa 50 Jahre laufen lassen.

Zuletzt verweise ich noch dezent darauf, dass wohl auch Räume mit gecremten Wänden nach gewisser Zeit einen Neuanstrich vertragen können. Die Wandcreme hält laut Hersteller zwar “ein Leben lang”, ein Übermalen (“mit Fett oder anderen Beschichtungen”) bringt den Effekt aber zum Erliegen. Der zwischen den Anstrichen liegende Zeitraum obliegt zumeist dem Rauminhaber selbst, er dürfte aber in der Regel deutlich unter den oben dargelegten 50 Jahren liegen, sodass auch der Spaß beim Cremen kein einmaliger bleiben dürfte.

Wenn Produkt und Spot nicht zusammenpassen…

21. September 2011 von

Mit Twilight fing es an (wahrscheinlich nicht, aber es war einer der jüngeren Höhepunkte). Und seither erzeugen Medien und Autoren Vampirbücher und -fernsehserien in einem atemberaubenden Tempo. Man könnte fast glauben, Fernsehsender und Buchverlage erhielten solches Material als Nebenprodukt der Verdauung ihrer Angestellten. Aber wie bei jedem Hype folgte der sofortige Abstieg ins Mittelmaß mit dem einen oder anderen Griff ins Klo. Zu letzterer Kategorie muss wohl Folgendes gezählt werden:

Ein Mann, in dunkle lange Gewänder gehüllt, dringt laufend und springend bei Nacht in eine riesige Villa ein. Drinnen wartet natürlich eine ahnungslose schöne junge Frau. Der Mann entblößt seine Zähne, gibt sich so dem ahnungslosen Zuschauer als Vampir zu erkennen und schleicht heran, bereit zum entscheidenden Biss… aber wofür wird geworben?

YouTube Preview Image

Alleine schon wie perfekt die Verpackung in Werbespots immer aufgeht, bei mir sehen die Dinger immer furchtbar aus danach…! Und dann etwas mit “Kinder” im Namen! Bei so viel Sex im Spot? Noch dazu wehrt sich die Frau nicht einmal, wenn sie von einem Fremden ohne Vorwarnung von hinten… aber lassen wir das, sonst wird der Beitrag nie fertig.

Hättet ihr das Produkt erraten? Also ich nicht…

Hartlauer meets Humboldt

11. September 2011 von

Shakehands: Hartlauer jr. und Karl MoikMan staunt nicht schlecht, wenn man jenen Mann, der bis vor ein paar Jahren mit besonderer Begeisterung die etwa sechsmal jährlich stattfindende Gehörgangsvergewaltigung mit deutscher volkstümlicher Musik namens Musikantenstadl moderiert hat, plötzlich als Werbefigur wiederfindet. Ich für meinen Teil war sogar so verwundert, dass ich mich umgehend zu einer Eilmeldung über unseren neuen Twitter-Account habe hinreißen lassen.

Worum geht es also? Hartlauer, die österreichische Foto-, Elektro-, Handy- und Optikhändlerkette, hat sich den (mittlerweile abgelösten) Gott der volkstümlichen Musik, Karl Moik, als Testimonial geholt – und zwar ausgerechnet für die Hörgeräte-Sparte. Hierfür gebührt Herrn Hartlauer, wir kennen ihn ja alle mit Vornamen, zuerst Lob: Eine prestigeträchtigere Figur, mit der sich die Hauptzielgruppe assoziiert, hätte wohl kaum gefunden werden können. Respekt!

Weniger Respekt habe ich aber für die Umsetzung (unter anderem) in Form eines Werbespots. Da spielen Musikanten aus einschlägiger Musikrichtung auf und nach der (glücklicherweise kurzen) Schrecksekunde erklärt uns Herr Moik sinngemäß, wie schön das doch wäre, dass er diese Musik jetzt wieder gut hören könne und auch Herr Hartlauer stößt hinzu, um noch einmal zu betonen, welch tolle Hörgerätangebote nun bei seiner Kette verfügbar wären.

Es geht mir eigentlich weniger um den Inhalt, als um die Machart des besagten Werbespots. Da scheint man sich nämlich derselben Kamera und Macher bedient zu haben, wie einst Humboldt, dem wir schon zahlreiche Beiträge hier gewidmet haben. Zumindest mich und die Dame an meiner Seite beschlich bei der Sichtung spontan das Gefühl, dass daran Anleihen genommen wurden: technisch gruslig, die Figuren irgendwie deplatziert. Vielleicht wäre es ratsam gewesen, bei der Absegnung des Endprodukts doch einmal auf das hauseigene Brillensortiment zurückzugreifen.

Nur Herrn Moik kann man hier wirklich keinen Vorwurf machen. Dass 25 Jahre Musikantenstadl am Gehör ihre Spuren hinterlassen, leuchtet zumindest mir, der schon 30 Sekunden nur unter Schmerzen aushält, ein, insofern bekommt auch die Wahl der Figur eine sehr wahrscheinlich nicht gewollte, aber durchaus treffende Bedeutung.